Kategorie-Archiv: Marlborough / Nelson

Waiau Pass – in 8 Tagen von St. Arnaud nach Boyle Village

Hallo ihr Lieben!

Nachdem wir die letzten 8 Tage im Nelson Lake Nationalpark unterwegs waren und dabei den bisher hoechsten Punkt des Te Araroa ueberschritten haben – den Waiau Pass – sind wir seit gestern Nachmittag in Christchurch bei Paula & Erwin zu Besuch fuer ein paar Rasttage. Wir freuen uns sehr, dass Paula&Erwin uns so spontan bei sich aufgenommen haben, die naechste 6-8 Tage-Etappe ueber den Harper’s Pass in den Arthurs Pass Nationalpark ist zurzeit naemlich nur sehr schwer zu ueberwinden, nachdem durch den vielen Regen in der letzten Woche grosse Teile des Weges weggespuelt wurden und man sich den Weg durch die gefluteten Waelder mit vielen Flussueberquerungen oftmals selber bahnen muss. Ja, und dann kommt noch hinzu, dass seit 3 Tagen mein rechter Aussenfuss sehr schmerzt (wahrscheinlich aufgrund einer Fehlbelastung aufgrund der Schmerzen im linken Knie, die aber zum Glueck besser werden) und ich nun schauen muss, dass sich das wieder beruhigt, bevor es weitergehen kann. Ja, das ist mir fast ein wenig peinlich, dass ich laufend mit diversen Wehwehchen kaempfe waehrend meine liebe Frau wie ein junger Hupfer eine Etappe nach der anderen abspult und dabei keinerlei „Verschleisserscheinungen“ aufweist ;-). Wir hoffen, dass es bald weitergehen kann… jetzt aber mal zu unseren letzten 8 Tagen in der Wildnis ūüôā

Am Freitag (20.01.) sind wir gut ausgerastet und vom vielen guten Essen gestaerkt aus St. Arnaud¬†gemeinsam mit Jule&Hauke aufgebrochen. Nach den intensiven Regentagen scheint die Sonne vom Himmel und die Bergspitzen strahlen mit frischem Schnee wie mit Staubzucker angezuckert, die Luft ist so schoen frisch und wir freuen uns auf den Weg ueber den Mt. Robert Kamm zur Angelus-Hut. Der Tag faengt auch richtig gut an, weil wir kurz nach Aufbruch gleich eine Mitfahrgelegenheit zum Ausgangspunkt der Wanderung bekommen und wir uns somit 1-2 Stunden auf der Schotterstrasse sparen. Wir wandern genau auf demselben Weg, den wir bereits vor 6 Jahren gegangen sind, als wir eine Tageswanderung ueber den Mt. Robert unternommen haben, echt witzig! ūüôā Nach dem Aufstieg ueber steile Serpentinen mit schoenen Blicken auf den Lake Rotoiti kommen wir auf eine Hochebene, auf der wir diesmal den Weg nach rechts zur Angelus-Hut einschlagen und ab dort neue Wege begehen.


Wir steigen noch weiter auf und die Blicke ueber die Berglandschaft werden immer spektakulaerer, mit zerkluefteten Gipfeln so weit das Auge reicht – wir geniessen es sehr und es ist schoen, die Freude des Moments zu 4t zu teilen. So wandern wir den Kamm entlang mit immer neuen Ausblicken. In der Ferne sehen wir Regenwolken naeherkommen und bei einer unserer Muesliriegel-Pausen beginnt es auf einmal zu schneien – viiiiel besser als Regen, wir freuen uns :-)!

Wir kommen nach 4h und 12Km zum Abstieg zur Angelus-Hut, die sehr schoen auf 1.700m in einem Kessel am gleichnamigen See liegt. Das Timing ist perfekt: als wir zur Huette kommen setzt staerkerer Schneeregen ein und wir machen es uns in der leider ziemlich kalten Hut so gemuetlich wie moeglich (der Hubschrauber fuer die Brennholzversorgung konnte nicht fliegen und so ist es in der 30-Betten grossen Huette nicht viel waermer als draussen). Wir sind sehr happy, dass wir die Schlafsack-Inlets haben, denn in der Nacht friert es und im Schlafsack ist es dennoch sehr gemuetlich.

 

Noch vor Sonnenaufgang (Sa, 21.01.) kriechen wir aus den warmen Schlafsaecken und kochen unser Fruehstueck. In der Huette ist es weiterhin so eisig, dass nicht nur vom heissen Tee Dampfwoelkchen aufsteigen, sondern auch unser Atem gut sichtbar wird – so wird also heute rasch gefruehstueckt, damit wir moeglichst schnell wieder raus koennen, um uns warm zu laufen. Die Sonne scheint golden auf den felsigen Kessel, der den See und die Huette umgibt und um kurz nach 7 Uhr machen wir uns bereits auf den Weg. Es ist eine besondere Atmosphaere, so frueh mitten in den Bergen die Wanderung zu starten – die tiefe Stille hier oben wird nur von den vielen kleinen Wasserfaellen gebrochen…

 

Der Weg fuehrt weiter den Kamm entlang, so schoen!

 

Wir kommen zum Abstieg vom Mount Cedric, von dem aus wir auf den grossen Rotoroa-See blicken, bevor es steil bergab durch den rutschigen Wald geht. Der 1.400Hm Abstieg zur Sabine-Hut hat es echt in sich und wir sind froh, als wir nach ein paar Rutschpassagen dreckig aber heil unten ankommen. Unnoetigerweise lasse ich bei einer kurzen Rast beim Abstieg die Kamera liegen und muss nochmal ziemlich weit zurueck um die Kamera zu holen – aber wenigsten ist sie nicht verloren gegangen :-)!

 

Nachdem wir so bald aufgebrochen sind, ist es erst 13 Uhr als wir zur 5-stuendigen Wanderung von der Sabine-Hut zur West-Sabine-Hut aufbrechen, auf der wir wieder auf den Te Araroa stossen werden, nachdem wir durch diesen wunderschoenen Weg ueber die Angelus-Hut eine Nicht-TA-Route gewaehlt hatten. Wir stellen uns auf eine leichte Wanderung zur West-Sabine-Hut ein und werden nach den ersten 1,5 Stunden ueberrascht, als der Weg immer mehr ueberspuelt ist und wir uns im Regen, der mittlerweile eingesetzt hat, ziemlich durchkaempfen und unseren Weg durch den Wald entlang des tosenden Sabine-River bahnen muessen. Jule&Hauke sind etwas spaeter von der Sabine-Hut aufgebrochen und holen uns bei unserem Pausenplatzerl ein. Gemeinsam kaempfen wir uns ueber geflutete und teilweise auch nicht mehr vorhandene Wege. Es fallen Saetze wie „Der Bach ist der Track!“ oder „Der Weg ist weg!“ (an einigen Stellen gibt es nur mehr Abbruchkanten zum einige Meter darunter fliessenden Sabine-River aufgrund von washouts). Nach 25Km und ueber 8h reiner Gehzeit (Zeit in Bewegung lt. GPS), was die bisher laengste Bewegungszeit eines Wandertages fuer uns ist, kommen wir komplett durchnaesst in die West-Sabine-Hut.

 

Juhuu, es ist bereits eingeheizt und wir spannen unsere Waescheleinen auf – die Huette gleicht mit den vielen nassen Kleidungsstuecken die herumhaengen und dampfen einem tuerkischen Basar mit der Luftfeuchtigkeit eines Roemerbades – alles egal, es ist super gemuetlich, im Warmen zu sein :-). Wir sind ca. 10 Leute in der 20-Betten Hut und es herrscht eine angenehme Atmosphaere. Erschoepft fallen wir nach unserem Backcountrymeal und etwas Schokolade in die Schlafsaecke und freuen uns, dass der morgige Tag ein Huettentag werden wird, nachdem es lt. Wetterbericht den ganzen naechsten Tag weiterregenen soll.

Ja, und so ist der Sonntag (22.01.) unser erster Huetten-Rasttag. Wir schlafen, essen, spielen Karten, machen Dehnuebungen, stopfen diverse Loecher in unserem Gewand und haben’s sehr gemuetlich waehrend unsere Sachen langsam trocken werden. Das Feuer im Ofen am Laufen zu halten ist hier eine logistische Herausforderung: Es muss nasses Holz aus dem Wald gesammelt werden (nachdem der Holzshelter leider leer war…), in Ofen-passende-Stuecke zerkleinert werden und dann zuerst mal strategisch gut auf und um den Ofen herum positioniert werden, damit es soweit trocknen kann. Mit diesen halbfeuchten¬†Holzstuecken einzuheizen ist gar nicht so einfach, also schauen wir besonders darauf, dass das Feuer nicht ausgeht – jeder der heute hier Rastenden (wir, Jule&Hauke und 2 weitere Hiker auf einer Mehrtagestour) hilft bei diesem „Ofen-am-Laufen halten-Prozess“ mit und wir kriegen es gut hin :-)!

Am naechsten Tag (Mo, 23.01.) nieselt es noch ein wenig in der Frueh, aber als wir uns auf den Weg zur Blue-Lake-Hut machen, hat es praktisch aufgehoert zu regnen und wir geniessen es, durch den vom Moos ueberzogene Wald zu wandern. Ueberall kann man die Baeche und Wasserfaelle im Wald hoeren, die in den stark angeschwollenen und tosenden Sabine-River fliessen, dessen Verlauf wir nach wie vor nach oben folgen. Wir kommen auf freie Geroellflaechen, die Wolken lichten sich langsam und die Ausblicke auf die Wasserfaelle, die von den Bergen herunterstuerzen, faszinieren uns – eine sehr schoene 8Km kurze Wanderung ist das zur Blue-Lake-Hut, die unser Ziel fuer diesen Tag ist!

       

Von der Blue-Lake-Hut aus wollen wir am naechsten Tag – fuer den schoenes Wetter vorausgesagt ist – den 1.900m hohen Waiau-Pass ueberschreiten.
Die Hut ist bereits gut gefuellt mit TA-Hikern, die hier bereits die letzten 2 Tage den Regen ausgesessen haben und auch beim morgigen schoenen Wetter den Waiau-Pass (ein Highlight des TA) in Angriff nehmen wollen.
Wir lassen uns von Jule&Hauke die Spielregel fuer „Doppelkopf“ (deutsches Kartenspiel) erklaeren und verbringen einen gemuetlichen Nachmittag in der Huette am Blue Lake. Der Blue Lake hat das reinste je gemessene Suesswasser der Erde. Die Sichtweite in diesem tuerkis-blauen See betraegt 70m!


Am Abend als wir alle schon in den Schlafsaecken liegen kommt noch ein „North-Bounder“ (ein TA-Hiker der von Sued nach Nord geht) in die Hut und berichtet, dass der Waiau-Pass sehr gefaehrlich zu gehen ist und er froh ist, heil heruntergekommen zu sein. „One wrong step and you are dead.“ – Diese Nachricht vor dem Schlafen haetten wir nicht gebraucht und so schlafen wir alle mit mulmigem Gefuehl ein…

Um kurz vor 8 Uhr (Di, 24.01.) brechen wir am naechsten Tag bei bestem Wetter auf. Hinter dem Bluelake steigen wir einen Hang hinauf, geniessen letzte Ausblicke auf den schoenen Blue-Lake und kommen zum hoeher gelegenen Lake Constanze. Welch eine unberuehrte und friedliche Berg- und Seenlandschaft hier oben, die nur ueber eine Mehrtageswanderung erreichbar, fernab jeglicher Zivilisation liegt! Entlang des Lake Constanze steigen wir einen steilen Geroellhang auf und kommen zu einer schoenen Aussichtserhebung, auf der wir die erste Pause machen und diese wunderschoene Szenerie geniessen: ueberall Wasserfaelle, Schnee auf den Bergen, Blicke von den Gipfeln ueber den See und weiter in das hinter uns liegende Tal zurueck. Die Sonne scheint vom Himmel und wiedermal geniessen wir es, diesen Moment mit Jule&Hauke und auch Axel, der zu uns stoesst und den ich bereits beim Autostoppen nach Blenheim getroffen habe, zu teilen.

 

Es geht wieder steil bergab zum See und entlang des Ufers. Der Wasserstand ist recht hoch und der Weg am Ufer entlang ist teilweise eine kleine Kletterei. Wir lassen den See hinter uns, gehen noch ein Stueck das Tal entlang, bevor es ueber 2 lange und extrem steile Geroellhaenge Рsteiler kann man einen Weg kaum anlegen! Рauf den hoechsten Punkt des Waiau-Passes, auf 1.900Hm geht.  So schoen ist es hier oben! Die Gefaehrlichkeit des Weges, wie vom North-Bounder beschrieben, koennen wir nicht nachvollziehen Рder Traunstein ist nach wie vor unser Mass der Dinge was Ausgesetztheit betrifft :-).

   

Der Abstieg ist ebenfalls steil und im oberen Bereich eine leichte Kletterei. Wir kommen ins Tal zum Fluss, dem wir entlang bis zur Baumgrenze folgen.¬†Kurz darauf erreichen wir einen¬†schoenen Zeltplatz in einem kleinen Waeldchen direkt am Fluss und beschliessen, hier die Zelte aufzuschlagen, obwohl es noch recht frueh ist. Es sieht nach Regen aus und wir haben von dem North-Bounder gehoert, dass die weiter unten gelegenen Zeltmoeglichkeiten grossteils von den ueberquellenden Fluessen ueberspuelt sind. Wir sind insgesamt 5 Zelte und zu 9t, die den Abend und die Nacht hier im Talschluss „Waiau Forks“ verbringen (Axel, Jule&Hauke, Kate&Sam, Chris&Eva) und wir sitzen spaetnachmittags/abends alle gemuetlich um die Feuerstelle, waehrend der Regen noch auf sich warten laesst..

  

In der Nacht weht heftiger Wind, aber es faellt so gut wie kein Regen. Um 6Uhr (Mi, 25.01.) packen wir bei leichtem Nieselregel unsere Sachen zusammen und machen uns nach einem kurzen Muesliriegel-Fruehstueck um 7Uhr bereits auf den Weg. Es geht gleich mal durch den Fluss auf die andere Seite und entlang ueber schroffes Geroell. (An die vom Fluss & Regen & Matsch vollgesogene Goretex-Schuhe koennen wir uns ab diesem Zeitpunkt schon mal gewoehnen ;-)) Es dauert nicht lange und es beginnt stark zu regnen. Wir schlagen uns durch das Gebuesch und den Wald und sind bald komplett durchnaesst. Wir stapfen immer wieder durch kniehohe Baeche im Wald und kommen nach knapp 2 Stunden zu dem kleinen, trostlosen 2-Betten-Caroline-Creek-Bivvy. Jule&Hauke die schon eine Stunde vor uns aufgebrochen sind haben uns eine Nachricht hinterlassen, dass sie versuchen werden, sich bis zur Anne-Hut durchzuschlagen, die von hier noch 28Km und 9h entfernt liegt. Es ist halb 10 Uhr und auch wir haben vor, an diesem Tag noch bis zur Anne-Hut zu kommen – das wird ein langer Tag… Nach einer kurzen Essenspause mit Nuessen und Trockenfruchtbaellchen wird uns schnell kalt und so gehen wir auch gleich wieder raus in den Regen und die geflutete Landschaft. Es dauert nicht lange und der Weiterweg durch den Wald wird unpassierbar, da der Weg weggespuelt wurde. Es bleibt uns nichts anderes uebrig, als den Fluss zu queren, um auf einer Schotter-/Sandbank weiterzugehen, von der aus wir anschliessend erneut ueber den Fluss muessen, um¬†wieder in den Wald zu koennen. Ich gehe voran, der Strom ist schnell und das Wasser reicht mir bis knapp unter die Huefte. Ich unterschaetze die Kraft des Wassers und nach 2/3 des Weges durch den Fluss verliere ich den Halt, liege schon halb im Fluss und werde fast mitgerissen. Ich kann mich fangen und kaempfe mich ans Ufer. Julia startet konzentrierter als ich in den Fluss, kommt aber gegen Ende bei der tiefen Stelle, bei der ich den Halt verloren habe, nicht mehr weiter und kaempft auch dagegen an, nicht mitgerissen zu werden. Ohne Rucksacke komme ich ihr entgegen und gemeinsam schaffen wir es ans Ufer. Komplett durchnaesst bis auf die Unterhose und mit dem Schrecken unserer ersten echten Flussdurchquerung in den Beinen machen wir uns rasch auf den Weiterweg, um nicht noch mehr auszukuehlen (obwohl sich die Aussentemperatur zum Glueck waermer anfuehlt als das eisige Flusswasser) . Kurz nach dieser Stelle schliesst Axel (ein angehender Sportlehrer :-)) mit uns auf, der nach uns aufgebrochen ist und auch schon bald an uns vorbei zieht. Nach etwa einer Stunde lockern die Wolken auf, es hoert allmaehlich auf zu regnen und es kommen die ersten Sonnenstrahlen hervor – Wie wohltuend die warmen Sonnenstrahlen sind nach den letzten muehsamen Stunden im Regen! An einer lichten Stelle im Wald stellen wir uns in die Sonne und essen einen Muesliriegel und fuehlen uns gleich ein wenig besser.

— Zu diesem abenteuerlichen Abschnitt gibt es leider keine Fotos, da die Kamera diese nassen Stunden gemuetlich im dry-bag verbracht hat ūüôā —

Wir gehen weiter, das Tal weitet sich und wir kommen aus den Wald heraus: Zuerst durchwandern wir eine savannenaehnliche Landschaft mit trockenen Tussockgraesern und zart-knorrigen kleinen Baeumen und anschliessen gelangen wir zu einer unglaublich schoenen Blumenlandschaft, die sich durch das ganze weitere Valley zieht – Margaritenfelder, Koenigskerzen und viele andere bunte Blueten, die im Tal um die Wette strahlen. ¬†Die Sonne scheint vom Himmel und trocknet uns langsam auf – am Ende des Tages sind wir durch Sonne & Wind sogar wieder bis auf die Unterhose trocken :-)) …Wer haette gedacht, dass wir an diesem Tag noch Sonnencreme brauchen!?¬†Wow! Dieses Tal ist unglaublich schoen und wir geniessen den einfachen Weg durch diese Landschaft.

 

Die Schluesselstelle des Tages steht uns aber noch bevor, das River-Crossing des Ada-River, das auch in den Trail-Notes (Wegbeschreibung des Trails) erwaehnt wird. Der Wasserstand ist hoch und der Strom des Ada-River ist schnell. Wir schauen uns nach einer geeigneten Stelle fuer das Crossing um und ich starte den Versuch auf die andere Seite. Mit viel Kraft und Glueck schaffe ich es, mir den Weg schraeg flussabwaerts ans Ufer zu bahnen, danach bin ich wieder bis zur Huefte durchnaesst und rufe Julia zu, dass sie hier nicht ueberqueren kann, da ich es nur mit Glueck geschafft habe. Gemeinsam, jeder auf der jeweils anderen Seite, gehen wir flussaufwaerts auf der Suche nach einer geeigneteren Stelle fuer die Ueberquerung und sehen zahlreiche Fussspuren im Sand von unseren Hiker-Kollegen, die hier ebenfalls eine geeignete Crossing-Stelle gesucht haben. Auf einmal kommt mir Axel entgegen – er ist ueber eine halbe Stunde flussaufwaerts gewandert bis er eine geeignete Stelle gefunden hat :-(! Also gehen wir weiter, ich mache immer wieder mal Versuche auf der einen oder anderen Stelle den Fluss zu queren, aber das Wasser ist jedesmal zu tief und kraftvoll. Aber kurz darauf mache ich eine Stelle aus, auf der der Fluss etwas breiter wird und davor ein kleiner Nebenfluss abzweigt – das koennte klappen! Sicher schaffe ich es auf die andere Seite zu Julia und gemeinsam queren wir den Fluss – oh Mann, wir sind so happy, dass wir gemeinsam auf der anderen Seite sind!¬†Schon etwas geschafft, aber freudig machen wir uns auf zu den letzten 8Km zur Anna-Hut. Der Weg fuehrt auf dem gut in-Stand-gehaltenen St. James Walkway und die allerletzte Flussueberquerung hat eine Haengebruecke – wie sehr wir diese Haengebruecken auf einmal zu schaetzen wissen ;-)! Von Weitem sehen wir die „long-drop-toilets“ der Anne-Hut und noch nie hat der Anblick von Plumpsklos so viel Freude bereitet :-)! Nach 36Km, 8:15h reiner Gehzeit und den abenteuerlichen River-Crossings kommen wir super-happy in der neuen Anne-Hut an, der fuer uns mit Abstand schoensten Huette des TA, und fallen uns mit Jule&Hauke und Axel freudig in die Arme, die es sich bereits am warmen Ofen gemuetlich gemacht haben.

Nach einer erholsamen Nacht machen wir uns in der Frueh keinen Stress und sind die letzten, die die gemuetliche Anne-Hut verlassen (Do, 26.01.). Es steht uns ein verhaeltnismaessig kurzer Wandertag bevor, mit 18Km bis zur Boyle-Flat-Hut, u.a. ueber die kleinere Erhebung des Anne Saddle. Wolken haengen in den Bergen und ueber dem Tal und so wandern wir mal im Nieselregel, mal im Regen und auch mal in der Sonne durch abwechselnd Wald und (Tussok)-Grasland. Der Boden ist nach dem vielen Regen noch ganz schoen durchnaesst und so gleicht der Weg immer wieder kleinen Sumpfabschnitten. Fuer uns erstaunlich ist dabei auch zu sehen, wie hoch der Wasserstand der Fluesse noch ein paar Tage zuvor gewesen sein duerfte, nachdem auf vielen Wiesen Schwemmholz verstreut liegt. Wir sind nach wie vor auf dem St. James Walkway und so kommen wir schliesslich wieder ueber eine Haengebruecke zur Boyle-Flat-Hut. Wir sehen Rauch aus dem Rauchfang aufsteigen und freuen uns, dass Rafael aus Frankreich, den wir schon in Picton im Post-Office kennengelernt hatten, schon eingeheizt hat :-)! Wir haengen die nassen Sachen auf und machen es uns zu 6t mit Jule&Hauke und Rafa&Malo in der 14-Betten-Hut gemuetlich. Rafa erzaehlt von seinen Reisen und Bergtouren und wir holen uns gleich mal Inspirationen fuer eventuell naechste Abenteuer – die Umrundung des Montblanc hoert sich sehr vielversprechend an :-)! Wir lachen viel beim Doppelkopf-Spielen mit Jule&Hauke waehrend es sich draussen so richtig einregnet…

…es regnet die ganze Nacht durch und als es um 7Uhr in der Frueh immer noch regnet (Fr, 27.01.) drehen wir uns nochmal um in den gemuetlichen Schlafsaecken. Nach ausgiebigem Schlaf, gutem Fruehstueck und ein paar Runden Doppelkopf, waehrend vor den grossen Fenstern der Hut die Wildgaense im Regen den Boden nach Wuermern durchwuehlen, ist es schon kurz nach 11Uhr als wir aufbrechen, zu den letzten 14Km in das Boyle-Village und dem Ende unserer¬†8-taegigen Waiau-Pass-Section (inkl. Rasttag in der West-Sabine-Hut). Am Weg nach Boyle lockert es auf und wir erreichen auf leichten Wegen und bei Sonnenschein das Boyle-Outdoor-Education-Centre.

Hierher haben wir uns ein „Food-Parcel“ geschickt, das wir in Empfang nehmen. Axel hat uns hier auch eine Nachricht hinterlassen, dass der weitere Weg ueber den Harper’s Pass fast ungehbar ist und er, wie auch andere TA-Hiker, nach Christchurch gestoppt ist, um diesen 6-8 Tage-Abschnitt auszulassen und in Arthurs Pass wieder am TA einzusteigen. Fuer uns ist klar, dass wir an der Stelle auf alle Faelle eine Pause machen – die Fluesse muessen an Niveau verlieren und mein Fuss braucht unbedingt eine Pause, bevor wir weitermachen koennen… Aber erstmal „feiern“ wir den vergangenen Waiau-Pass-Abschnitt mit Jule&Hauke mit¬†4 Fertig-Pizzen und Cola, die wir hier vorab bestellt haben! Als Nachspeise pluendern wir unser Food-Parcel und mit dem Wissen, morgen nach Christchurch weiterzufahren, koennen wir bei den Naschereien aus dem Vollen schoepfen mit Kitkat-Schokolade, Gingernuts und Crackern! Wir spielen Doppelkopf und verbringen eine erholsame Nacht im Matratzenlager, auch mit einigen anderen TA-Hikern.

Ja, und gestern (Sa, 27.01.) telefonieren wir nochmal mit Paula&Erwin und vereinbaren, nachmittags zu ihnen zu kommen. Nach gemuetlichem Zusammenpacken und Verstauen aller neuen Essensvorraete in unsere Rucksaecke stellen wir uns um 9:30Uhr auf den Statehighway 7 Richtung Christchurch, „bewaffnet“ mit einem grossen Karton. Trotz zaehem Verkehr (es ist Samstag)¬†werden wir nach gut einer Stunde schliesslich von einem sehr netten Chilenen bis nach Christchurch mitgenommen.

 

Erwin holt uns schliesslich vom Pak’n’Save-Parkplatz ab und wir freuen uns ueber das Wiedersehen!¬†Wir verbringen einen sehr gemuetlichen¬†Nachmittag und Abend mit den beiden mit so leckerem Essen (endlich wieder frisches Gemuese und leckeren Kuchen :-)), waschen unsere Waesche und fuehlen uns sehr wohl – so schoen hier zu sein!

Heute (So, 28.01.) haben wir uns nicht aus dem Haus bewegt und waren richtig schoen faul und haben in aller Ruhe diesen Blogeintrag verfassen koennen.

Aus heutiger Sicht werden wir gegen Mitte der Woche – je nach Wetterlage, Niveau der Fluesse und Fuss-Schmerzen – mit dem Shuttle wieder nach Boyle fahren und den Weiterweg starten. Wir sind schon gespannt wie es weitergeht…

Alles alles Liebe aus dem sommerlichen Christchurch!

Eure River-Crosser ūüôā

PS: Ihr habt ja einen richtig schoenen Winter daheim – geniesst ihr es oder freut ihr euch schon auf den Fruehling? Hier in Neuseeland in kurzer Hose sitzend wecken die Bilder mit verschneiter Winterlandschaft aus Oesterreich auf alle Faelle Heimatgefuehle :-)!

Die ersten 209Km am TA der Suedinsel: Queen Charlotte Track, Pelorus River Track und Richmond Alpine Track

ūüôā ūüôā ūüôā

Wir sind in St. Arnaud angekommen, nachdem wir fuer 8,5 Tage fernab der Zivilisation am Pelorus River-Track und am Richmond Range Alpine-Track unterwegs waren – was fuer eine wunderschoene Zeit! Zuvor hatten wir auch schon einen sehr schoenen Start am Te Araroa der Suedinsel beim Durchwandern der Marlborough Sounds am Queen Charlotte Track – 3 Tage Genusswandern bei schoenstem Wetter.

Nach der mehrstuendigen Rueckfahrt von der Goldenbay zurueck nach Picton am 3.1. hatten wir am 4.1. ungeplanterweise noch einen letzten Restday in Picton, nachdem wir noch ein Paket bei der Post aufgeben mussten und in NZ auch der 2. und 3.1. public holidays sind… Das haben wir gleich ausgenutzt, um nochmal gut essen zu gehen (Muscheln aus den Marlborough Sounds & Seafood Chowder) und eine kleine Runde spazieren zu gehen (u.a. entlang des Hafens – klickt aufs Foto, da gibts Riesenrochen!) und um die in Nelson gekauften neuen Schuhe einzugehen.
  

Am Donnerstag, 05.01. sind wir also am Te Araroa der Suedinsel gestartet! Das Boot von Picton zur Ship-Cove, dem Ausgangspunkt des Queen Charlotte Track hat um 9 Uhr abgelegt…

Der Queen Charlotte Track ist ein schoen ausgebauter Wanderweg, einfach zu gehen und wir geniessen das Wandern im Schatten der Baeume und die Ausblicke auf die Marlborough Sounds waehrend die Sonne vom Himmel strahlt! Auf dem letzten Abschnitt des ersten Tages, bevor wir zu unserem Tagesziel, der Camp-Bay kommen, treffen wir Sebastian aus Leipzig, der ein angenehmer und lieber Wegbegleiter fuer ein paar der naechsten Abschnitte wird.

      

Nach den ersten 27Km und 900Hm des ersten Tages haben wir eine feine Zeltnacht in der Camp-Bay und freuen uns am Morgen (Fr, 06.01.) schon aufs Weitergehen – es wird ein Tag voller schoener Aussichtspunkte und unglaublicher Blicke auf die Sounds und das Meer und wir sehen teilweise sogar bis zur Nordinsel rueber!
Am Ende der 26Km und 1000Hm an diesem zweiten Gehtag beginnt mein linkes Knie zu schmerzen und die letzten Meter zum Zeltplatz in der Cowshed-Bay kann ich nur mehr humpeln – hoffentlich wird das ueber Nacht besser, denn abgesehen davon geht es uns koerperlich richtig gut und wir haben viel Freude am Gehen!

  

Auch am 3. Tag (Sa, 07.01.) haben wir wieder strahlenden Sonnenschein und wir geniessen die letzten Kilometer auf diesem Trailabschnitt…

   

…Das Knie ist aber leider nicht wirklich besser und so sind wir froh, nach 21Km und wieder 800Hm an diesem Tag zur Strasse nach Havelock zu kommen. Von dort stoppen wir zu unserer Unterkunft nach Havelock, der Blue Moon Lodge, und werden von einem russischem Touristen-Paerchen mitgenommen. Im Hostel lernen wir dann Jule&Hauke aus Hannover kennen, die auch am Te Araroa Richtung Sueden unterwegs sind und wir haben einen feinen Abend mit den beiden!

Den naechsten Tag (So, 08.01.) gehen wir sehr gemuetlich an – ist ja auch unser Restday! ūüôā Wir kochen uns noch etwas Gutes in der Blue Moon Lodge und halten dann wieder den Daumen raus, um uns zum 20Km entfernten Campingplatz der Pelorus-River Bridge bringen zu lassen, von wo aus der naechste Trailabschnitt startet.
Das Knie tut noch immer weh und wir ueberlegen, ob wir am naechsten Tag noch einen Rasttag einlegen sollen, bevor wir die 8-11 Tage-Tour (Pelorus-River Track und Richmond-Range-Alpine-Track) starten – die laengste Etappe des Te Araroa, fuer die man voll fit sein sollte! Am Abend kommen auch Jule&Hauke an den Campingplatz, der wunderschoen direkt am blauen Pelorus-River liegt – in der Abendsonne lassen wir uns das Essen mit den beiden schmecken.

Am Mo, 9.1. starten wir das grosse Abenteuer der laengsten Etappe des TA an einem Stueck :-)! Nicht ganz ohne Unbehagen wegen dem Knie, aber voll Motivation stapfen wir gemeinsam mit Jule&Hauke los, nachdem wir all das Essen fuer 10 Tage in unsere Rucksaecke verstaut haben. So viel haben wir bisher noch nie dabei gehabt und es ist echt schwer abzuschaetzen, wieviel wir dann im Endeffekt brauchen werden, nachdem man auch gewappnet sein muss, Schlechtwetterperioden/hohe Wasserstaende von Fluessen/etc. „auszusitzen“ – aber alles Teil des Abenteuer Te Araroa und es macht Spass, Muesliriegel-Bestaende zu zaehlen und den Haferflocken-Verbrauch fuer das Fruehstueck zu schaetzen :-)! Nachdem wir eher knapp kalkuliert haben (und Julia schon Angst hat zu verhungern) und Jule&Hauke sehr grosszuegig eingekauft haben, nehmen wir ihnen schon am Campingplatz ein paar aussortierte Lebensmittel ab. ūüôā

Der Trail startet erst mal mit 13km auf (Schotter)Strasse bis zum Ausgangspunkt des Pelorus-River-Track: Es kommen wenige Autos vorbei und die, die vorbeifahren, haben keinen Platz, schon gar nicht fuer 4. Aber nach 10km bleiben 2 Neuseelaenderinnen mit Hund stehen und wir koennen auf der Ladeflaeche des Gelaendewagen die letzten 3Km mitfahren, immerhin eine knappe Stunde Gehzeit auf der Schotterstrasse „gespart“…

…Los geht’s entlang des schoenen Pelorus River mit glasklarem¬†tuerkis-blauen Wasser. Wir kommen zu den „Emerald Pools“ und kuehlen uns gleich mal ab, das Wasser ist so einladend! Das einzig laestige sind die vielen Sandflies, die hier am Fluss herumschwirren und scharf auf unser Blut sind – aber vielleicht auch gut so, weil wir sonst den Rest des Tages hier verbringen und nicht weitergehen wuerden ;-).

Nach 20Km und knapp 900Hm kommen wir zur Captain Creek Hut. Das Wetter ist fein und die Wiese vor der Huette laedt zum Campen ein und so stellen wir unsere Zelte neben dem von Benjamin aus Stockholm auf, der auch am TA unterwegs ist. Wir essen unser Abendessen gemeinsam am Fluss, Benjamin gibt eine Runde Schokolade aus und als die Sandflies zu laestig werden und auch noch ein kleiner Schauer einsetzt, ziehen wir uns ins Zelt zurueck…

     

Am Di, 10.01. geht die Sonne ueber dem Wald am gegenueberliegenden Hang auf und loest die fruehmorgendlichen Nebelwolken langsam auf Рder blaue Fluss liegt im Halbschatten und die Luft riecht so frisch Рwieder einmal eine echt schoene Morgenstimmung! Zum Fruehstuecken machen wir es uns auf der trockenen Wiesenflaeche, auf der das Zelt von Benjamin (der sich bereits frueh auf den Weg gemacht hat) gestanden hat, gemuetlich. Anschliessend gehts gemeinsam mit Jule&Hauke weiter durch schoenen Wald am Fluss entlang. Wir geniessen die noch kuehle Morgenluft, bevor es schwuel wird. Nach unserer ersten Swingbrigde springen wir bei unserer Pause an der Middy-Hut wieder in den Fluss.

  

Am Nachmittag steigen wir zur Rocks-Hut auf. Es ist noch recht warm als wir um halb 4 oben ankommen und wir machen erstmal eine „Schokoladen-Runde“ im Schatten der Straeucher. Wir stellen das Zelt zum Trocknen auf und machen uns dann gemeinsam mit Hauke (Jule hat leider Schmerzen in der Achilles-Ferse bekommen) auf den Weg zu einem 10 Minuten entfernten „Lookout“. Wow, wir geniessen den schoenen Rundumblick! Wir sehen auf das Meer und den Abel-Tasman Nationalpark, an dessen Kueste wir vor ein paar Wochen so schoene Tage verbracht haben und sind dabei umgeben von Bergen. Wir freuen uns sehr, hier zu sein!

  

Nachdem die Rocks-Hut sehr gemuetlich und einladend aussieht, beschliessen wir, das Zelt abzubauen und in die Hut zu uebersiedeln – unsere erste Hut-Uebernachtung in Neuseeland (Juhu, unser Halbjahres-Hutpass kommt zum ersten Mal zum Einsatz!) :-)! Beim Zaehneputzen kommen auf einmal noch 2 Wanderer zur Hut: Es sind Emma & Harry aus Christchurch, mit denen wir vor langer Zeit im Bus nach Kaitaia gesessen sind, unserem Ausgangspunkt zum 90-Mile-Beach! Die Wiedersehensfreude ist gross, wir erzaehlen uns von unseren Erlebnissen und lachen viel bevor’s in den gemuetlichen Schlafsack auf die „Bunk“ (= Huettenbett) geht.

Am naechsten Tag (Mi, 11.01.) brechen wir gemeinsam mit Emma&Harry auf, die aber schon nach kurzem voranziehen – die beiden sind nach der Nordinsel „voll im Saft“, fuer dieses Tempo fehlen uns noch ein paar Trainingstage ūüėČ
Dieser 3. Tag des Pelorus-River-Track ist sehr abwechslungsreich. Wir gehen anfangs durch einen besonders schoenen Waldabschnitt: Die Baeume sind maechtig, manche haben eine gedrehte Form oder schlingen sich um grosse Felsbloecke die im Wald „herumliegen“. Nachdem wir durch einen Abschnitt von vielen entwurzelten Baeumen gewandert sind (riesige Erdteller von grossen Baeumen zeugen von den starken Winden hier oben…) lichtet sich der Wald und wir kommen auf eine freie Flaeche von Tussok-Gras – eine so typische und schoene Landschaftsform fuer die Suedinsel! Wir machen Pause und geniessen den schoenen Rundumblick, vom Meer zu den Bergen…

   

…Wir steigen steil bergab und kommen zur Browning Hut, die an einem schoenen Bach liegt. Im Schatten machen wir Rast, hier unten ist es wieder sehr schwuel. Wir kommen mit einem neuseelaendischen Paerchen ins Plaudern, die gerade querfeldein auf einer Jagd-Tour durch den Wald unterwegs waren: Hier gehoeren Wildschweine, Ziegen, Rehe, usw. zur Kategorie „Pest“ und duerfen von jedem in beliebiger Anzahl erlegt werden. Diese Tiere sind „introduced“, dh. wurden vom Menschen eingefuehrt, haben keine natuerlichen Feinde und zerstoeren das sensible Oekosystem der neuseelaendischen Waelder. Das Jagen hat hier eine ganz andere Kultur als bei uns. Es ist ganz normal, dass man z.B. ein Reh erschiesst, die Teile die man moechte mitnimmt und den Rest des Kadavers einfach liegen laesst.
Anschliessend geht’s entlang des Flusses, der sich Dank des niedrigen Wasserstandes trockenen Fusses durchqueren laesst und weiter zur Hacket-Hut, unserem Tagesziel. Am Weg zur Hut ist es nochmal richtig schwuel und heiss und so ist das anschliessende Bad im Fluss neben der Hut ein echter Genuss! Wir haben die Hut mit 6 Bunks fuer uns allein und muessen sie nur mit einigen Sandflies und auch Mosquitos teilen, die vorallem Julia gerne umschwaermen (kann ich voll verstehen :-))!
Hier bei der Hacket-Hut gibt es die letzte Ausstiegsmoeglichkeit aus diesem 8-11-Tagestrip. Von der etwa 2 Stunden entfernten Hacket-Road aus kann man nach Nelson zurueckstoppen, bevor es mit dem 5-7 Tage-dauernden Richmond-Alpine-Track losgeht: Dieser ist als „hard tramping“-Track eingestuft, was der hoechsten Schwierigkeitsstufe der DOC-Tracks entspricht. Nachdem wir einen hard-tramping Track bisher noch nicht gegangen sind, die Achilles-Ferse von Jule und das Knie von mir nicht wirklich besser geworden sind, gehen wir am Abend noch alle moeglichen Varianten durch, wie wir weitertun wollen.

   

In der Frueh (Do, 12.01.) beschliessen Jule&Hauke die Ausstiegsmoeglichkeit zu nutzen und nach Nelson zu stoppen, um fuer Jule neue Schuhe zu besorgen und der Achilles-Ferse eine Erholungspause zu geben.
Wir bekommen von den beiden noch Peanut-Butter, Wraps und Nuesse und koennen den beiden noch unser Mistsackerl mitgeben. Jule borgt mir noch ihre Kniebandage (Ottobock! :-)) und so fuehlen wir uns gut geruestet, den Richmond-Alpine-Track gut zu meistern! Wir verabschieden uns von den beiden und freuen uns auf das Wiedersehen in St. Arnaud in ein paar Tagen!

Der erste Abschnitt des Tages verlaeuft entlang des Flusses mit einigen Fluss-Ueberquerungen. Nach der Flusspassage steigt der Weg steil an und es geht ziemlich in einem Stueck 1000Hm nach oben. Auf halbem Weg bergauf erfreuen uns am ersten Ausblick auf die bewaldeten Bergruecken, die in Nebelwolken gehuellt sind. Eine Stunde vor der naechsten Hut (Starveall-Hut) beginnt es zu regnen und wir sind froh, bei der Huette anzukommen, die sich an der Baumgrenze befindet. Bei der Huette angekommen sind wir ziemlich durchnaesst – echt fein, dass es hier Huetten gibt :-)! Wir ziehen uns trockene Sachen an, kochen uns eine Suppe und machen es uns erstmal im Schlafsack gemuetlich, mal schauen wie sich das Wetter noch entwickelt und ob wir heute noch weitergehen oder nicht. Mit uns in der Huette sind Dominque (Frankreich) und Lukas (Belgien), die kurz vor uns hier angekommen sind. Wir sind gerade alle am eindoesen als die Tuer aufgeht: Drei klatschnasse Englaender (Tom, Luke und Olli) stehen dampfend in der Huette und freuen sich auch endlich bei der Hut zu sein. Die 3 sind gleich mal motiviert, hacken bei Nieselregen das Feuerholz, das in dem Verschlag neben der Huette lagert und machen Feuer im Ofen. Wir spannen Waescheleinen durch die ganze Huette und bald verwandelt sich die Hut in eine warme, gemuetliche Stube. Es hoert auf zu regnen und die Sonne kommt am spaeten Nachmittag nochmal durch. Dom&Lukas machen sich auf den Weg zur naechsten Hut. Fuer uns ist es einfach zu gemuetlich hier und wir bleiben, auch um unser Gewand noch fertig trocknen lassen zu koennen. Im Laufe des Nachmittags/Abend kommen noch einige andere Wanderer, die ihre Zelte draussen aufschlagen, da die Hut wieder nur 6 Betten hat – first come, first serve. Die Jungs aus England sind gut drauf und wir verstehen uns gleich sehr gut mit ihnen. Voll motiviert machen sie noch Stretch- und Yogauebungen und wir lassen uns davon natuerlich auch gleich anstecken, mit den Ausblicken auf Meer und Berge ist es auch nicht schwer uns aus der Huette zu locken ;-).

   

Nach der guten Nacht in der Starveall-Hut brechen wir relativ bald um 08:00 Uhr morgens voll motiviert auf (Fr, 13.01.). Es weht uns ein kalter Wind entgegen, am Kamm tlw. mit recht starken Boeen, wir packen uns gut ein und verwenden zum ersten Mal unsere Handschuhe. Mit dem Aufstieg wird der Ausblick immer besser und das Entlangwandern am Kamm macht Freude. Wir kommen zum ersten Mal durch einen der maerchenhaften, mysthisch-schoenen Waelder mit kleinwuechsigen Beech-Trees, steigen das Stueck zur Middy-Hut ab und machen nach 2 Stunden Gehzeit unsere erste Pause mit Wraps (gefuellt mit Peanut-Butter, Nuessen und Rosinen – echt lecker und gibt gut Energie!). Gestaerkt geht’s wieder weiter, hinauf auf den Kamm, es wird immer sonniger und wir geniessen es, auf der Anhoehe mit dem herrlichen Ausblick zu wandern! Der Weg ist ein schoenes, aber auch anstrengendes Auf-und-Ab ueber Fels und auch immer wieder durch Beech-Forest, sehr abwechslungsreich…

          

…Es ist halb 4 am Nachmittag als wir zur Abzweigung zur Oldman-Hut kommen, unserem eigentlichen Tagesziel! Zur Hut muessten wir 250m absteigen, die wir am naechsten Tag auch wieder aufsteigen muessten. Bei einer Muesliriegel-Pause ueberlegen wir auch noch die naechste Etappe bis zur Mt. Rintoul Hut anzuschliessen. Dieser Abschnitt ist der anspruchsvollste des Alpine-Track und sollte nur bei guten Wetterbedingungen gegangen werden, die Angabe ist 5 Stunden fuer 4,5Km, was schon ziemlich aussagekraeftig ist ;-). Der Himmel ist nun komplett wolkenlos, die Sonne strahlt vom Himmel und es ist fast windstill, die Wasserreserven reichen noch und wir haben eigentlich noch gut Energie – also los, auf zur schwersten Etappe des Track :-)! Steil geht’s anfangs ueber grosse Steine und spaeter ueber loses Geroell auf den Little Mt. Rintoul – der Ausblick von oben ist ein Hammer! Wir geniessen und verschnaufen bevor’s extrem steil all die Hoehenmeter die wir gerade aufgestiegen sind, wieder bergab geht, teilweise mit Kletterpassagen kaempfen wir uns den „Weg“ bergab. Unten angekommen machen wir nochmal eine „Riegerl-Pause“ bevor wir den Aufstieg auf den Mt. Rintoul in Angriff nehmen. Wieder steil ueber Stein und Geroell bergauf, stehen wir um 7 Uhr am Abend auf dem hoechsten Punkt des Richmond-Alpine-Track (1.750m). Das Panorama in der Abendsonne ist unbeschreiblich schoen und wir sind voller Freude, dass wir es noch angegangen sind! Der Abstieg hat’s dann nochmal inn sich. Teilweise ist das Geroell so fein, dass wir gut rutschen koennen, nach dem steilen Abschnitt durch den Wald sind wir aber auch froh, als wir um 20 Uhr bei der Mt. Rintoul-Hut ankommen. Das waren an diesem aussergewoehnlichen Wandertag 20Km, 2.200Hm und knapp 8h reine Gehzeit und das mit einem noch fuer 5-6 (Essens-)Tage gepackten Rucksack – so was haetten wir uns bis vor kurzem echt nicht zugetraut :-)! Kurzer Daempfer als wir ankommen: Die Hut mit 6 Bunks ist voll belegt, also heissts noch Zelt aufbauen. Nachdem wir darin aber nun schon gut routiniert sind tut das der Freude auch keinen Abbruch – wir sind aber auch happy, als wir dann nach einem leckeren Bachkcountry-Cuisine-Gericht (Honey-Soy-Chicken – eine unserer Lieblingsspeisen :-)) und ein paar M&Ms um halb 10 Uhr im Schlafsack liegen. Die Nacht auf 1.200m ist ganz schoen kalt und unsere Schlafsaecke kommen mit ihrer Komfort-Temperatur von 6 Grad an ihre Grenze – wir beschliessen bei naechster Gelegenheit unsere Ausruestung etwas aufzubessern…

      

Als wir um kurz vor 7 Uhr (Sa, 14.01.) aus dem Zelt krabbeln sind alle die in der Hut geschlafen haben schon aufgebrochen bzw. am aufbrechen. Wir machen uns nach der grossen Tour vom Vortag keinen Stress, machen unser Fruehstueck in der Hut und brechen dann auf. Der Weg fuehrt uns durch Beech-Forest, wir kommen immer wieder ueber die Baumgrenze und koennen gut unseren zurueckgelegten Weg durch den Wald ausmachen. Wir steigen einige Hoehenmeter ab, der Wald wird weiter und die Baeume groesser, wir kommen an den See der Tarn-Hut, an dem wir unsere Mittagspause machen. Die abgestorbenen Baumstaemme rund um den See (wahrscheinlich durch ein Hochwasser) verleihen dem stillen Plaetzchen eine mystische Stimmung. Wir beobachten einen Weka, der am Ufer entlang stapft und im Wasser nach kleinen Tierchen fischt.

 

Weiter geht’s durch den Wald – die alten abgestorbenen und mit Moos ueberzogenen Baumstaemme dieses Forestparks faszinieren uns immer wieder und wir geniessen das durchwandern. Der extrem steile Abstieg zum Fluss und zu unserem Tagesziel, der Mid-Wairoa-Hut, hat es nochmal in sich. Bei der Hut angekommen freuen wir uns, dass ganz unerwartet noch Betten frei sind: Dominique&Lukas und Christian&Eva aus der Mt. Rintoul Hut sind naemlich weitergezogen. Nach einem kurzen Bad im Fluss teilen wir uns fuer diese Nacht die Hut mit einem neuseelaendisches Wanderpaerchen und 2 DOC-Rangers, die hier heute mit dem Hubschrauber abgesetzt wurden.

 

In der Nacht und auch beim Fruehstuecken regnet es leicht und wir sind froh, dass wir kein nasses Zelt zum einpacken haben (So, 15.01.). Der naechste Abschnitt durch das Wairoa-Valley zur Top-Wairoa-Hut fuehrt auf steilen Traversen ueber nassen Fels entlang des Flusses, den wir insgesamt 8x kreuzen. Ein anstrengender und aufgrund des Regen in der Nacht fuer uns der anspruchsvollste Abschnitt des Tracks. Wir gehen sehr konzentriert und sind dann froh aus dem schoenen Valley rauszukommen und gut in der Top-Wairoa-Hut anzukommen, in der wir eine ausgiebige Mittagspause einlegen.

     

Von der Top-Wairoa-Hut geht es gleich steil bergauf, die Landschaft wechselt in eine roetliche Steinwueste mit viel Tussokgras, der Uebergang aus dem gruenen Valley zu diesen „Red Hills“ fasziniert uns sehr. Wir steigen auf¬†zum knapp 1.500 Meter hohen Gipfel des¬†Mt. Ellis. Der Wind hier oben ist so stark, dass wir uns bei starken Boeen schwer auf den Beinen halten koennen. Es versetzt uns immer wieder ein paar Schritte und teilweise muessen wir stehen bleiben bis die Boee wieder nachgelassen hat. In Momenten wie diesen liegt das schoene Gefuehl von Abenteuer (in diesem Fall nicht nur sprichwoertlich) in der Luft :-)!

      

Der Abstieg in das Tal und der Weg entlang des Flusslaufes zur Hunters-Hut ist angenehm zu gehen und wir erfreuen uns an den Stimmungen der Abendsonne. Nach knapp 20Km und ueber 1.800Hm kommen wir um 20 Uhr in der Hunters-Hut mit insgesamt 8 Betten an und freuen uns, dass genau noch 2 fuer uns frei sind :-). Wir treffen wieder Dominique&Lukas, Christian&Eva und Max, den wir vorhin zwischen 2 Windboeen am Mt. Ellis kennengelernt haben.

In der Nacht pfeifft der Wind um die Hut und bei manchen Boeen fuehlt es sich an als wuerden wir gleich abheben – gut nicht im Zelt zu sein ;-).¬†In der Frueh (Mo, 16.01.) und im Laufe des Vormittags legt sich der Wind und wir haben auch an diesem Tag Wetterglueck. Der Weg zur Porters-Creek-Hut ist ein Auf-und-Ab auf meist unschweren Wegen. Die Ausblicke auf das Tal sind herrlich…

   

Die Mittagspause haben wir gemeinsam mit Max in der Porters-Creek-Hut und dann heisst es auf zur letzten Etappe des Richmond-Alpine-Track, das Ziel lautet Red-Hills-Hut. Wir geniessen die letzten Kilometer durch das Tal, machen eine schoene Rast am Fluss und ueber eine Tussok-Grasflaeche erreichen wir muede von den Anstrengungen der letzten Tage, aber sehr sehr happy die schoene Red-Hills-Hut, in der wir es uns mit Max und Christian&Eva (aus Auckland) die spaeter noch kommen, gemuetlich machen.

  

Bei Nieselregen gehen wir am naechsten Tag (Di, 17.01.) die 7Km auf der Forststrasse zum SH63  (wir ueberschreiten unsere 1.000Km-Marke hier :-))! und legen die 10Km nach St. Arnaud per Autostopp zurueck. Wir buchen uns in der Alpine-Lodge ein und eine halbe Stunde spaeter stehen schon Jule&Hauke vor uns Рwir freuen uns sehr die beiden wiederzusehen! Jule hat sich in Nelson neue Schuhe besorgt und die beiden haben in den letzten Tagen schon ein paar Wanderungen in der Umgebung von St. Arnaud unternommen Рdie Achillesferse ist zum Glueck besser geworden! Wir bestellen Pizza, Kaffee und Kuchen Рihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie gut das alles geschmeckt hat :-)!!!

 

…waehrend wir also die letzten 2 Wochen bei Bilderbuch-Wetter durch die Berge gestapft sind, hat sich seit gestern (Mi, 18.01.) eine Schlechtwetterfront ueber die Suedinsel von Neuseeland mit Starkregen und Sturm gelegt, die noch mehrere Tage bzw. vielleicht sogar die naechste Woche anhalten soll… Mittlerweile „stranden“ immer mehr TA-Hiker im kleinen Oertchen St. Arnaud am Beginn des Nelson Lake National Parks und warten auf besseres Wetter, um die naechste 5-8 Tages-Section ueber den Waiau Pass in Angriff nehmen zu koennen. Wir haben beschlossen morgen Freitag gemeinsam mit Jule & Hauke aufzubrechen und ueber eine andere als vom TA vorgeschlagene Variante in den Trail einzusteigen (Route ueber Angelus Hut). Auch hier kommen wir auf ueber 1.700hm, dh. mit Temperaturen um den Gefrierpunkt ist zu rechnen… :-/ Mal schauen, ob sich der Wetterbericht bis dahin hoffentlich noch zum Besseren wendet!

Ich habe gestern (Mi, 18.01.) noch einen kleinen Autostopp-Marathon in das 100Km entfernte Blenheim hingelegt, um Schlafsack-Inlets (sollen nochmal 4 Grad aus den Schlafsaecken rausholen), Kniebandage und Einiges mehr zu besorgen (die Einkaufs-Liste war ganz schoen lang, nachdem ich auch ein paar Sachen fuer TA-Kollegen mitbesorgt habe). Nach 10Km Roadwalking und insgesamt 3 Stunden am SH63 stehend an diesem Tag, war ich echt froh, um kurz vor 19 Uhr wieder in St. Arnaud gelandet zu sein. Danke an der Stelle an Bruce&Dorothea die mich schliesslich kurz bevor es auch in Blenheim oben zu regnen angefangen hat in ihrem Campervan mitgenommen haben :-)!!

Bis zu unserem Aufbruch lassen wir’s uns jedenfalls hier noch gut gehen mit frisch-bezogenen Betten, duschen + Haare-waschen :-), frischem Obst und Gemuese, eiskaltem Cola, hausgemachter Pizza, Carrot Cake, Heizstrahler am Zimmer, frisch-gewaschener Waesche, WIFI, Kaffee & Chai Latte mit Milchschaum. ūüôā Die Vorzuege der „Zivilisation“ wissen wir gerade sehr zu schaetzen, auch wenn es uns schon wieder in den Beinen kribbelt ;-).

Wir kochen uns jetzt mit Jule&Hauke noch eine grosse Portion Pasta und melden uns dann irgendwann wieder, wenn sich die Gelegenheit ergibt – das kann allerdings diesmal etwas laenger dauern, unser naechstes Ziel Boyle und das uebernaechste Ziel Arthur’s Pass haben so gut wie keine Infrastruktur zu bieten. Aber irgendwann wird’s schon wieder passen… :-)!

Bis dahin alles alles Liebe aus den Bergen der Suedinsel!

Eure Bergfexen ūüôā