Kategorie-Archiv: Waikato (Coromandel)

Pinnacles, Tongariro Crossing und Whanganui-River

Hallo, da sind wir wieder!

…und wir haben in den letzten eineinhalb Wochen ein paar besonders schoene Seiten der Nordinsel kennengelernt. Wir waren auf den Pinnacles, haben das Tongariro Crossing gemacht und waren anschliessend 3 Tage mit dem Kanu auf dem Whanganui River unterwegs. Das Crossing und die Kanufahrt sind auch Teil des Te Araroa-Trails – zumindest teilweise sind wir also wieder „back on track“. 😉 Das Wetter hat gut mitgespielt, wir hatten eine tolle Zeit und es sind wiedermal viel zu viele Fotos entstanden ;-)!

Am Dienstag, 29.11. haben wir uns ein Leihauto genommen, von der Autowerkstatt die nur ein paar Schritte von unserer Unterkunft entfernt ist. Nach 13 Naechten haben wir im Junction Hotel das kleine Zimmer geraeumt und waren ein letzten Mal im Sola-Cafe fruehstuecken, bevor wir uns auf den Weg ins Kauaeranga-Valley (26Km von Thames entfernt) gemacht haben. Im Sola-Cafe hat uns der 70jaehrige Besitzer – der aussieht wie Mitte 50 – herzlich mit einem Muffin als Geschenk verabschiedet – wir fuehlten uns schon recht heimisch in der Pollen Street in Thames. Die Leute haben uns als Paerchen mit dem Rollstuhl von Anfang an registriert und so kamen wir immer wieder in Gespraeche, wenn wir diverse Laeden besucht haben “Ah, you can walk again, great!” oder “Take care of your feet!” haben wir oft gehoert.

Es war ein schoenes Gefuehl – nach 2 kuerzeren “warm-up”-Wanderungen im Thames-Forest…

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…nun wieder gemeinsam mit dem gepackten Rucksack inkl. Zelt loszuwandern! Wir hatten auch ein schoenes Ziel – die Pinnacles. Das ist einer der hoechten Punkte (ca. 800 Meter) im Kauaeranga-Valley, das nach dem Fluss benannt ist, der durch dieses geschichtstraechtige Tal fliesst: Vor ueber hundert Jahren wurden im Kauaeranga-Valley unzaehlige Baeume geschlaegert , die mit dem Fluss, der ins Meer muendet, ins Tal geschwaemmt wurden. Die Arbeiter blieben bis zu 6 Monate in den Waeldern und wurden 1x/Woche mit Lebensmittel, Kleidung, Werkzeug, etc. versorgt. Damit die Pferde den Weg schaffen wurden Stufen in den Fels geschlagen und hohe Stufen aus Baumstaemmen angebracht. Und genau auf diesen ehemaligen Versorgungswegen kann man nun im Kauaeranga-Valley perfekt wandern und diese Gegend erkunden!

Es ging steil bergauf und man kann sich nur schwer vorstellen, dass auf diesen Wegen tatsaechlich bepackte Pferde gegangen sind. Der Wald bzw. Bush ist aufgrund der Schlaegerungen in der Vergangenheit noch recht jung, manche verwitterten Baumstaemme zeugen noch von den Kauri-Riesen die da mal gestanden sind.

Wir haben die Wanderung bewusst auf 2 Tage aufgeteilt, um den verletzten Fuessen nicht gleich zu viel zuzumuten. Nach 2,5 Stunden kommen wir zu unserer “Campsite” im Wald, dem Dancing-Camp, das nicht weit entfernt von der Pinnacles-Hut und direkt neben einem der wenigen restaurierten Daemme dieses Tals liegt, an welchem Kauri-Baumstaemme in einem Reservoir zwischengelagert wurden vor dem Weitertransport ins Tal. Ein Zeltplatz mitten im Wald mit Platz fuer 4 Zelte. Wir sind die ersten und schlagen unser Zelt am schoensten Plaetzchen auf – juhuuu, endlich wiedermal im Zelt :-)!

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Ohne Rucksack und Gepaeck machen wir uns auf den 45minuetigen Weg zum Gipfel der Pinnacles. Die Wolkendecke verdichtet sich und der Wind wird mit der ansteigenden Hoehe immer staerker. Dennoch geniessen wir es sehr, die kurze Kletterei zum Gipfel und den super Ausblick ueber das Tal bis zum Meer!

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Am naechsten Tag (Mi, 30.11.) schlafen wir so lange wie noch nie im Zelt und als wir um halb 10 den Reissverschluss aufmachen, sind wir schon wieder allein im Wald und die anderen beiden Zeltnachbarn schon aufgebrochen. Wir gehen es sehr gemuetlich an: ausser dem Abstieg ueber den Billygoat-Track haben wir an dem Tag nichts mehr vor. Der Abstieg ist steil, aber bietet immer wieder schoene Ausblicke ueber das Tal und nach einer Flussueberquerung, die wir dank des geringen Wasserstandes ohne nasse Fuesse schaffen, sind wir wieder bei unserem Leihauto. Wir fahren ein Stueck das Tal hinaus und schlagen das Zelt auf dem letzten der vielen Campingplaetze des Tal auf, um am naechsten Tag einen nicht allzu weiten Weg nach Thames zu haben, unser Bus in den Tongariro-Nationalpark faehrt naemlich schon um kurz nach 9 Uhr ab.

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Wir geniessen die sonnigen Spaetnachmittags- und Abendstunden am Campingplatz neben dem Fluss und lassen den Tag mit Lesen auf der Wiese ausklingen…

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Am naechsten Tag (Do, 01.12.) stehen wir zeitig auf, machen uns ein gutes Fruehstueck und fahren zurueck nach Thames. Nach letzten Einkaeufen im Supermarkt, dem letzten Termin bei der Krankenschwester und nach Rueckgabe des Autos sitzen wir im Bus, der uns in den Tongariro-Nationalpark bringt. Kurz bevor wir da sind, sehen wir schon vom Bus aus die Vulkane – Tongariro, Ngauruhoe, der ein perfekt geformter Vulkankegel aus schwarz-roetlichem Lavagestein ist und Ruapehu, dem groessten der 3, der schneebedeckt und wolkenverhangen vor uns liegt – wow, welch schoener Anblick, es ist schon etwas her, dass wir schneebedeckte Berge gesehen haben!

Wir checken ein in unserem kleinen Doppelzimmer der Adventure-Lodge. Auf einmal trudelt ein SMS von Josee ein: Sie ist auch gerade im Nationalpark! Ihre Unterkunft ist nur ein paar Gehminuten entfernt und so verabreden wir uns zum Abendessen – welch schoener Zufall! Waehrend wir essen stehen auf einmal Martin und Gemma vor uns und so verbringen wir den Abend mit 3 Te Araroa-Wanderern – das haetten wir uns echt nicht gedacht! Witzig war schon, als wir bei der Busfahrt Emma und Harry (die eigentlich die ersten TA-Hiker waren, die wir kennengelernt haben), vom Bus aus am Strassenrand sitzen gesehen haben. 🙂

Am naechsten Tag (Fr, 02.12.) heissts frueh aufstehen! Nach dem bewaehrten Porridge huepfen wir mit 4 anderen Gaesten der Adventure-Lodge um halb 7 in der Frueh in den Jeep und werden zum Ausgangspunkt des Tongariro-Crossing gebracht. Eine knapp 20Km lange Wanderung durch die Vulkanlandschaft, die zwischen den beiden Vulkanen Tongariro und Ngauruhoe auf bis 1.800m verlaeuft und einen an Plaetze bringt, die “Red Crater” oder “Blue Lake” heissen, wir sind gespannt… :-)!

Als wir losmaschieren haengt dichter Nebel ueber der Landschaft, man sieht nicht sehr weit, von Vulkanen keine Spur. Wir geniessen diese besondere Stimmung, die der Nebel und die kuehle Luft am Morgen erzeugen. Spinnennetze, normalerweise verborgen, zeigen im Tau ihr schoenes Muster und die felsige Landschaft ist nur auf den ersten Blick karg. Strohfarbene Grasbueschel, Flechten, Moose, Straeucher und sogar Blumen durchziehen die Landschaft. Manche dieser Pflanzen gibt es nur an diesem Ort, in dieser speziellen Vegetation. Viele Mitwanderer ziehen an uns vorbei, die wie wir an diesem Morgen beim Ausgangspunkt der Wanderung von den Bussen und Jeeps der Tour-Anbieter ausgespuckt und am Ende der Wanderung am Nachmittag wieder eingesammelt werden. Wir lassen uns Zeit, geniessen den Weg durch diese Landschaft und hoffen, dass sich im Laufe des Tages der Himmel lichtet, wenn wir zu den spektakulaeren Stellen der Wanderung kommen.

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Und wir haben echt Glueck, noch vor Beginn des Aufstiegs zeigt sich schon etwas Blau am Himmel, mystisch ziehen die Nebelschwaden ueber die Lavafelsen und man sieht sofort, dass die Schlacht um Mordor in der Herr der Ringe genau hier gedreht wurde. Wir steigen hoeher und hoeher und es wird kaelter und kaelter, es riecht nach Schnee und der Wind pfeift uns um die Ohren. Anfangs nur im Langarm-Shirt haben wir am hoechten Punkt beim Red Crater 5 Schichten an und die Finger schmerzen im eiskalten Wind (Wie hier manche Touristen mit kurzer Hose und Sneakers gehen koennen ist uns ein Raetsel…). Nach kurzem Abstieg ueber ein sanddurchzogenes Geroellfeld machen wir – etwas windgeschuetzter – unsere Pause und warten, dass sich der Nebel wieder lichtet. Schemenhaft koennen wir naemlich schon die gruen-blauen Seen ausmachen, die unter uns liegen. Nach ein paar Muesliriegel beginnen wir den Abstieg und juhuuu, es reisst tatsaechlich auf! Es riecht nicht mehr nach Schnee, sondern nach faulen Eiern – der Dampf aus den Lava-Spalten huellt die Luft in Schwefelgeruch. Die 3 Seen, in unterschiedlichen Gruen- und Blau-Toenen, liegen wie leuchtende Augen vor uns – so ein schoener Anblick! Es werden viele Fotos gemacht, an diesem Tag noch mehr als sonst. 🙂

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Wir ziehen weiter und kommen zum Blue Lake, dem groessten der Seen hier heroben, und machen kurz Pause. Der boehige Wind, der aus allen Richtungen weht, streicht uebers Wasser und laesst die kleinen Wellen in schoenen Mustern tanzen. Wir sehen zum Red Crater hinueber der fuer kurze Zeit wolkenfrei ist und freuen uns, das erleben zu duerfen. (Bitte unbedingt Foto anklicken, dann seht ihr die Groessenrelation mit den Menschen!).

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Der Weg fuehrt ueber viele viele Serpentinen und Stufen bergab, mit tollen Ausblicken ueber die Tussock-Graslandschaft auf den nahegelegenen Lake Taupo, ueber dem unwirklich weisse Wolkenbaenke schweben. Das letzte Stueck des Weges fuehrt entlang eines schmalen Flusses, der sich durch einen schoenen moosbehangenen Wald zieht. Um kurz vor 2 sind am Endpunkt angelangt von dem uns John wieder mit seinem Jeep abholt – bei der Heimfahrt erhaschen wir nochmal einen letzten Blick auf den perfekt-geformten Kegel des Vulkans Ngauruhoe.

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Am naechsten Tag (Sa, 03.12.) sind wir mit John ins 30 Minuten entfernte Taumarunui gefahren. Dort haben wir fuer die naechsten 3 Tage ein Kanu gebucht, um auf dem Whanganui-River zu paddeln. Leider mussten wir einen kurzen Zwischenstopp beim Arzt einlegen, weil sich bei mir eine Hautstelle auf Hoehe des Knoechels entzuendet hat. -Nun haben die Fuesse aber ohnehin Auszeit, da nicht gewandert, sondern gepaddelt wird!

Wir haben unseren Kanutrip bei einem echten Familienunternehmen gebucht: Wir werden von Rosalie, der einzigen Tochter der insgesamt 6 „Kinder“, vom Ort abgeholt und auf den schoenen Platz am Huegel mit Blick auf den Whanganui River, an dem das Unternehmen liegt, gebracht. Wir duerfen umsonst mit dem Zelt auf der Wiese uebernachten und so verbringen wir die sonnigen Abendstunden mit Packen (wir packen alles, was wir auf den Fluss mitnehmen, in wasserdichte Tonnen) und mit 2 netten jungen Belgiern, die neben uns ihr Zelt aufschlagen und auch am naechsten Tag mit dem Kanu auf den Fluss gehen.

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Um 07:30 Uhr geht’s am Sonntag (04.12.) los mit einer Einschulung. Bei Tee und Kaffee fuer alle Kanuten (wir sind insgesamt 9, die die 3taegige Strecke von Whakahoro nach Pipiriki fahren wollen) erklaert uns der Vater der Familie alles Wissenswerte uebers Kanufahren, wie die Stromschnellen anzufahren sind (eine heisst “fifty-fifty”, warum wohl…? ;-)) und zeigt uns auf kurzen Videos, wo die Campingplaetze liegen. Jono, der aelteste Sohn faehrt uns alle dann zum 1,5h entfernten Ausgangspunkt am Fluss, Whakahoro (wir ueberholen dabei auch einige TA-Hiker die natuerlich zu Fuss auf der Schotterstrasse zum Fluss unterwegs sind). Wir packen das Kanu und los geht’s! Bei der ersten Stromschnelle steigt gleich mal der Adrenalinspiegel, aber nach kurzer Zeit haben wir den Dreh ganz gut raus und sind ein perfekt eingespieltes Team – Julia haut als Vordermann (oder besser Vorderfrau 😉 das Paddel kraeftig ins Wasser und ich spiele den Navigator :-), paddle aber selbstverstaendlich auch kraeftig rein, auch wenn es die Vorderfrau nicht immer glaubt ;-).

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Der Fluss fliesst durch so schoene Landschaft, einfach ein Genuss! Wir kommen bei keinem Haus und keiner Strasse vorbei. Es gibt auf der ganzen Strecke keinen Handyempfang, nicht mal Strom. Wilder Bush mit Farnbaeumen, Palmen und diversen anderen urigen Baeumen (u.a. dem Rata, der jetzt im Fruehsommer wunderschoen rot zu bluehen beginnt) saeumen die Ufer. Die immer nassen Felswaende sind moosig und leuchten gruen im Sonnenlicht. Schoene Wasserfaelle und Zufluesse plaetschern neben uns in den Whanganui. Wir koennen Eisvoegel, Kormorane, Waldtauben und Greifvoegel beobachten. Am Ufer sind auch immer wieder wilde Ziegen zu sehen, die sich hier ungewollt vermehrt haben, nachdem sie nach Neuseeland eingefuehrt wurden. Wir kommen auch an grossen Hoehlen vorbei, die aus der Entfernung wie schwarze Loecher in der ueppig-gruenen Landschaft wirken. Wir sind grossteils alleine am Fluss unterwegs, hin und wieder treffen wir auf andere Kanufahrer, vor allem an den Rastplaetzen fuers Mittagessen und natuerlich am Abend auf dem Campingplatz. Wir lernen wieder ein paar echt nette Leute kennen, wie zum Beispiel Thomas&Charlotte aus Paris, Alex&Ruth aus London und Stephan&Anna aus der Schweiz.

An unserem ersten Tag legen wir 36Km zurueck und schlagen das Zelt am Campingplatz neben der John Coull Hut auf. Der Hut-Manager ist ein Volunteer, schon ueber 70 und er macht uns auf die heimischen Fledermaeuse aufmerksam, die in der Daemmerung ueber unser Zelt flattern und gibt uns einen Tipp fuer einen schoenen Abstecher in einen Seitenarm, zu dem wir an unserem 3. Tag kommen werden.

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Wir geniessen es, so mitten in dieser schoenen Natur zu zelten. Wir schlafen gut und gehen den naechsten Tag (Mo, 05.12.) sehr gemuetlich an. Nach ausgiebigem Fruehstueck (ja, wieder unser Porridge, um den uns die anderen hier beneiden 😉 geht’s bei Sonnenschein wieder auf den Fluss. Gemeinsam mit Alex&Ruth geniessen wir unser Mittagessen an einem besonders schoenen Abschnitt des Flusses. Wir kommen vorbei am Ausgangspunkt zur 40minuetigen Wanderungen zur “Bridge to Nowhere”. Hier kann man sich die voellig intakte Bruecke einer verlassenen Siedlung anschauen die – nachdem sich der Hang aufgrund der vielen Holz-Schlaegerungen, um die Siedlung aufbauen zu koennen, stark abgesetzt hat – von der Regierung geraeumt wurde. Das Ganze, kurz nachdem endlich die Bruecke fertig war, die die Siedlungsbewohner mit der Zivilisation verbunden haette! Die Bruecke ist nun ein beliebtes Touistenhighlight: die Leute lassen sich mit Jetbooten zu diesem Ausgangspunkt bringen, den wir mit dem Kanu passieren. Wir verzichten auf den Bruecken-Blick und paddeln weiter. Wir kommen nach 32Km in das Ramanui-Camp, in dem wir unser Zelt neben einem Shelter (ueberdachten Unterstand) aufstellen. Perfekt, dass wir diesen Unterstand haben, es beginnt am Abend naemlich leicht zu regnen und wir koennen im Trockenen unser Abendessen geniessen. Es klart dann noch auf und wir sehen einen schoenen Regenbogen im Abendlicht. Die Tage sind schon sehr lange hier und es ist bis 9 Uhr am Abend hell.

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In der Frueh (Di, 06.10.) zieht sich der Nebel ueber den Wald und ich muss an “Gorillas im Nebel” denken. 🙂 Wir machen wieder unseren Porridge und es klart langsam auf… Um kurz nach 8 sitzen wir schon im Kanu – 22Km sind es bis zum Endpunkt in Pipiriki, von dem wir um halb 2 abgeholt werden. Wir geniessen diese letzten Stunden auf dem Fluss und machen auf einem Steinstrand unsere Mittagspause. Wir haben alle ca. das gleiche Timing und so sind wir wieder mit einigen der anderen Kanufahrer beisammen! Nach dem Mittagessen kommen wir zu jener Stelle, an der wir in den Seitenarm einfahren koennen (der Tipp vom Huettenaufseher). Es ist ein wunderschoener, schmaler Canyon, der zu einer Felswand, die auch Amphitheater genannt wird, fuehrt – ein echt schoener Abstecher!

Dann warten die staerksten Stromschnellen des Flusses auf uns, u.a. die fifty-fifty (auf den Fotos sieht man immer nur die schoene glatte Wasseroberflaeche, weil wir bei den Stromschnellen natuerlich die Kamera wegpacken und auch nicht faehig gewesen waeren, ein Foto zu machen ;-). Wir meistern alles super, schummeln uns bei der fifty-fifty am Rand drueber und werden fast nicht nass (andere sehen wir am Ufer, wie sie das Kanu danach ausschoepfen).

Wir kommen gut in Pipiriki an, Jono kommt puenktlich mit dem Bus, es gibt Muffins und Orangensaft und wir haben alle gute Laune und ein Lachen im Gesicht – dankbar fuer die schoenen Tage und froh, dass wir alles gut geschafft haben! Bei der knapp 2stuendigen Fahrt zurueck fallen fast allen die Augen zu, eine wohlige Erschoepfung stellt sich ein.

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Als wir wieder im Haupthaus des Unternehmens ankommen, fragen wir Karen (die Mutter) nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit in Taumarunui in der Naehe der Busstation. Sie schlaegt uns gleich vor, dass wir fuer nur 30 Dollar bei Jono uebernachten koennten, der ganz in der Naehe wohnt und wir koennen mit ihm in die Stadt mitfahren. Hoert sich super an – wir packen unsere Sachen und fahren mit Jono ins Stadtzentrum von Taumarunui. Er wohnt dort mit einem Freund in einem Haus und ist gerade dabei, alles zu renovieren, um anschliessend ein paar Zimmer fuer Uebernachtungen an Gaeste vermieten zu koennen. Dementsprechend sieht es dort auch aus und unsere Hygienestandards muessen fuer diese Nacht etwas nach unten geschraubt werden. Nach einer warmen Dusche und einer Pizza, die wir uns bestellt haben, fuehlen wir uns aber recht wohl und schlafen auch sehr gut auf den Klappbetten, im Zimmer mit der Glasfront ohne Vorhaenge auf ausgewaschenen „All Blacks“-Leintuechern. 🙂

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Der 07.12. (Mi) – Julia’s Geburtstag! Wir schlafen uns richtig gut aus, gehen zum Supermarkt und kaufen unseren Proviant ein fuer die Busfahrt nach Wellington, die um halb 3 startet. Nach diesen Erledigungen gehen wir gut fruehstuecken, schauen die Fotos der letzten Tage auf der Kamera durch, lassen alles noch ein wenig Revue passieren und vertiefen uns dann in unsere Buecher. Voll bepackt (wir haben uns in Taumarunui den Rucksack aus der Bounce-Box vom Postamt geholt, den wir von Auckland aus hierher geschickt haben) gehen wir zur Bushaltestelle. Auf der 6stuendigen Busfahrt lernen wir einen interessanten Deutschen kennen, der als “Glas-Nomade” durch die Welt reist und gerade an einer Konferenz in Auckland teilgenommen hat. Er erzaehlt uns einiges ueber Glaskunst und die Technik dahinter und zeigt uns Bilder seiner Werke am Laptop. Und wir treffen zufaelligerweise auch wieder die 2 Belgier, mit denen wir vor dem Kanufahren gezeltet haben. Um halb 9 kommen wir in Wellington an und beziehen unser Zimmer im YHA-Hostel, das wir fuer 5 Naechte gebucht haben. Das Waesche-waschen haben wir dann noch spaetabends erledigt (auch auf kleinem Platz laesst sich eine Waescheleine spannen ;-)).

Ja, und heute (Do, 08.12.) ist ein regnerischer Tag in Wellington – perfekt fuer Blogschreiben, Fotos sichern, usw. und erstmal ein gemuetliches Fruestueck am Bett mit Blick auf die Fire Station von Wellington geniessen 🙂

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Alles Liebe aus Wellington!

Eure „Wanderlustigen“

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Die Nordkueste Coromandels + 2 „Erholungswochen“

Hey,

wir haben nun einen guten Weg gefunden, unseren Blog mit den noch fehlenden Tagen zu vervollstaendigen – die Biblothek in Thames hat gutes Internet und wenn nicht zu viel los ist, hat man gute Chancen auf einen Computer, den man immer fuer 30 Min nutzen kann. 🙂

Kommt uns schon wieder lange her vor, dass wir die letzten Wanderkilometer gemeinsam zurueckgelegt haben, das war vor ziemlich genau 2 Wochen und es war ein Traumtag…

Wir waren ziemlich happy, als wir vor gut 2 Wochen am Mittwoch (09.11.) Auckland verlassen haben. Nach einem Fruehstueck mit hot ginger-lemon-honey-tea, einem Bagel mit Hummus und sundried tomatoes und einer hausgemachten warmen Zimtschnecke mit cream in unserem Lieblingslokal in Auckland, dem Remedy-Café, ging’s mit dem Bus nach Coromandel Town auf der Coromandel Halbinsel, das wir um die Mittagszeit erreichten. Es war heiss, wir staerkten uns noch mit einem maessig gutem, aber guenstigem Mittagessen im Coromandel-Café und machten uns auf den Weg – Ziel fuer den heutigen Tag war es, an die Kueste ganz im Norden der Coromandel-Peninsula zu kommen, der 53Km entfernten „Jackson Bay“, in der es einen vom DOC betreuten Campingplatz gibt. Als wir noch in Auckland waren, haben wir versucht uns einen Transport dorthin zu organisieren: Die guenstigste Option waere 150 Dollar (etwa 100 Euro) gewesen und so haben wir beschlossen unser Glueck mit Autostopp zu versuchen! Ich telefonierte auch noch mit dem DOC-Manager der Jackson Bay,  der gemeint hat es koennte klappen mit dem Autostoppen, da schon ein paar Touristen mit ihrem Campervan unterwegs sind, aber das wir bei den letzten 20-25km Schotterstrasse wohl etwas Glueck braeuchten…
Also stapften wir nach dem Mittagessen los und hielten den Daumen raus, wenn ein Auto vorbei kam. Nachdem wir nicht mehr am Te Araroa unterwegs sind und die Leute nicht wissen, dass wir Tramper sind, blieb ziemlich lange niemand stehen. Wir freuten uns, als schliesslich ein netter Kerl mit seinem Gelaendewagen stoppte und fragte, ob wir nach Norden wollen. Kurz dachten wir „Juhuuu, der faehrt bis ganz rauf!“ Ja, aber so war dem dann doch nicht und schon nach wenigen Kilometer liess er uns wieder aussteigen, als wir bei seiner Farm angekommen waren. Wir wanderten weiter die Strasse entlang, (leider) mit wenig Verkehr. Wir wurden dann immer ein paar Kilometer weit von unterschiedlichen Leuten mitgenommen, von asiatischen Pharmazie-Studenten die einen Ausflug von ihrer Heimatstadt Auckland gemacht haben und einer aelteren Frau, die bei ihrem Bruder und ihrer Schwaegerin in Coromandel wohnt. Wir waren nach diesen 3 Mitfahrten mittlerweile schon kurz vor Coleville, dem letzten kleinen Dorf, das 26Km vor unserem Ziel der Jackson Bay liegt – den halben Weg hatten wir also schon geschafft! Wir gehen bei einem buddhistischem Zentrum vorbei, das auch Unterkunft anbietet – Julia ist neugierig und schlaegt vor, mal reinzuschauen und vielleicht fuer 1-2 Naechte zu bleiben. Wir entscheiden uns aber doch fuers Weitergehen und es bleibt auch gleich ein Auto stehen – der Lehrer der Volksschule von Coleville! Es gibt nur 30 Schueler und er unterrichtet sie alle, in allen Faechern. Er erzaehlt uns, dass er 12 Jahre auf den Cook Islands gelebt hat, auf einer kleinen Insel, die man erst nach 6 Tagen mit der Faehre erreicht. Es wohnen nur 80 Menschen auf der Insel, es gibt keinen Strom und er sehnt sich nach dem Leben auf dieser Insel – nach seiner Pensionierung will er wieder dorthin zurueck. Er bringt uns einige Kilometer auf der Schotterstrasse am Meer entlang weiter und schenkt uns zum Abschied noch kiloweise Obst, das er bei sich hat – frische Aepfel, Birnen und Orangen :-)! Wir sind immer noch 20Km von unserem Ziel entfernt, aber die Schotterstrasse entlang dem Meer ist herrlich zu gehen! Wenige Autos kommen vorbei und wir rechnen damit, es nicht mehr zur Jackson Bay zu schaffen. Da kommt auf einmal ein Gelaendewagen des DOC vorbei – es ist der Manager des Campingplatzes in der Jackson Bay, mit dem wir telefoniert haben, seine Frau ist auch im Auto. Sie duerfen eigentlich niemanden mitnehmen, aber nachdem er sich an unser Telefonat erinnert, macht er eine Ausnahme und so sind wir bereits kurz nach 4 Uhr nachmittags in der Jackson Bay :-)!
Ach, was ist das fuer ein schoener Platz, diese Bucht ganz im Norden des Coromandel! Wir schlagen unser Zelt auf, machen uns Abendessen und geniessen den Sonnenuntergang am Strand – das Leben meint es gut mit uns!

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Am naechsten Tag (Do, 10.11.) haben wir eine der bisher schoensten Wanderungen in NZ bisher unternommen! Bei herrlichem Wetter sind wir nach einem staerkenden Porridge-Fruehstueck Richtung Osten losgewandert. Den Strand entlang und dann kurz ansteigend auf die Anhoehe der Kueste – der Ausblick ist unglaublich schoen. Wir wandern den Kuestenkamm entlang und geniessen jeden Schritt. Das Meer leuchtet in blauen Farben, draussen am Meer liegen kleine uns groessere Inselgruppen verstreut und die Seevoegel fliegen auf Augenhoehe mit uns. Zu unserer rechten Seite erstreckt sich Farmland ueber die Huegel, das in bewaldete Berggruppen uebergeht, ueber die weisse Wolken ziehen. Der Weg fuehrt stetig entlang der Klippen, das Farmland weicht den Waeldern, durch die wir weitergehen. Wir kommen vorbei bei der am Strassenende gelegenen „Fletcher Bay“ (ebenfalls ein basic-DOC-Campingplatz), in der wir unsere Mittagspause machen – wie immer gibts Bumper Bars (reichhaltige Muesliriegel). Diese Bucht ist so idyllisch! Von hier an wandern wir den ‚Coromandel walkway‘ entlang, auf welchem uns aber nur wenige Leute entgegenkommen. Auch der weitere Weg schlaengelt sich die Kueste entlang, ueber Farmland und durch Waelder – immer wieder mit beeindruckenden Ausblicken auf die Klippenlandschaft und davorliegende Inselgruppen (wieder mal machen wir viel zu viele Fotos :-))! Am spaeten Nachmittag erreichen wir nach 20Km die „Stony Bay“, unser Tagesziel. Auch in der Stony Bay gibt es einen DOC-Campingplatz, jedoch zu dieser Jahreszeit noch unbetreut, also kein Manager vor Ort. Ich nutze die Gelegenheit in der ruhigen Bucht mit grobem Kies das erste Mal „schwimmen“ zu gehen. Das Meer hat etwa 17 Grad, also mehr ein untertauchen als echtes schwimmen. 😉 Wir geniessen das Abendessen hinter verknorrten alten Baeumen mit Blick auf die Bucht, die wir nur mit wenigen anderen Campern teilen.

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Ja, und dann am naechsten Morgen (11.11.) klettere ich aus dem Zelt und stelle fest, dass die Wiese vom Tau ganz nass ist. Ich lege unsere kleine Plane auf, auf die ich die Rucksaecke stelle. Kurz ueberlege ich, fuer das Fruehstueck-Kochen zum etwas entfernteren Waschbecken zu gehen, entscheide mich aber dann doch, alles auf der kleine Plane zu machen und beim Apfelschneiden passiert es dann und ich stosse den Topf mit dem heissen Wasser um – Den Rest der Geschichte kennt ihr ja bereits…
Julia packt unsere Sachen zusammen und wir fahren mit dem DOC-Manager, seiner Frau und seinem Kollegen (Nick, Nick und Danielle) und ihrem Hund in deren Gelaendewagen in das 1 Stunde entfernte Coleville, ueber kurvige Schotterstrassen, die die Stony Bay mit Coleville verbinden. Zwischen der Fletcher Bay und der Stony Bay gibt es nicht mal eine Strasse – Wir hatten also echt Glueck im Unglueck und waren froh, bereits um 9 Uhr im Medical Center in Coleville anzukommen. Waehrend die Krankenschwester die erste Wundauflage mit Manuka-Honig macht, kauft Julia im General Store des Settlements (so heissen die kleinen Doerfer) ein paar Lebensmittel fuer die naechsten Tage ein. Wir lernen im Krankenzimmer Brian kennen, von dem wir bereits geschrieben haben. Die hilfsbereite Sekretaerin des Medical Center organisiert uns waehrenddessen eine Unterkunft – das Buddha-Zentrum, an dem wir vor 2 Tagen vorbei gegangen sind – was fuer ein schoener Zufall!
Im Buddha-Zentrum beziehen wir unsere Cabin. Scott, ein Volunteer im Budda-Zentrum, klaert uns ueber die buddhistischen Verhaltensregeln im Zentrum auf – kein Fleisch, keine Musik, keine sexuellen Aktivitaeten, kein toeten von Lebewesen (auch nicht Moskitos oder Ameisen), Respekt vor Eigentum, usw. – ein paar Regeln werden dann zwar von uns gebrochen (aber immerhin durfte ein riesiges Krabbel-Ungetier aus unserem Bad ueberleben ;-)).
Im buddhistischen Zentrum haben wir uns sehr wohl gefuehlt – es ist ein sehr ruhiger und friedlicher Ort, ohne Handyempfang und Internet. Ich nehme taeglich Schmerztabletten und versuche mich mit hochgelagerten Fuessen bestmoeglich zu erholen und zu schlafen, waehrend Julia unsere Mahlzeiten zubereitet, einkaufen geht, Krankenschwesterbesuche organisiert und mir 24Stunden am Tag bei allem hilft.
Emma, die Krankenschwester, kommt jeden Tag, um die Wundauflagen zu erneuern – die schmerzhaftesten 15min des Tages!  Die Wunden verschlechtern sich die ersten Tage eher als wie angekuendigt besser zu werden, der linke Fuss schwillt stark an, ich schaffe kaum mehr den Weg ins Bad – sobald ich die Fuesse nach unten gebe, blueten die Wunden stark und die Schmerzen werden staerker, alles eine echte Prozedur.

Die schoenen Seiten: Wir lesen sehr viel, u.a. Buecher vom Dalai Lama, die es in der Bibliothek gibt. Julia nimmt regelmaessig an der Morgenmeditation teil und es ist eigentlich der perfekte Ort, fuer unsere Situation. Brian kommt vorbei uns laedt uns zum Essen zu sich nachhause ein „You have to get a change of scenery!“ sagt er und wir verabreden uns fuer den naechsten Tag zu Mittag. Brian holt uns mit dem Auto ab und faehrt uns zu Jenn & sich nachhause. Das Haus liegt umgeben von neuseelaendischem Busch, den Brian gepflanzt hat, nachdem sie ihre Ziegenfarm aufgegeben hatten, mit herrlichem Ausblick aufs Meer und dahinterliegende Inselgruppen. Wir essen eine Platte mit geraeucherten Meeresfruechten und frischen Avocados – sehr sehr lecker und so lieb von den beiden, dass sie uns einladen! Am Abend bekomme ich dann Fieber und wir ueberlegen gemeinsam mit Emma, ins Spital nach Thames zu fahren…

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Nach etwas hin-und-her-ueberlegen sind wir am uebernaechsten Tag (Mi, 16.11.) im Krankenwagen nach Thames. Im Spital werden wir freundlich, aber halt doch „anonym“ behandelt. Ich verbringe die Nacht in der Notaufnahme und Julia kann fuer 10 Dollar (etwa 6,50 Euro) in einem kleinen Familienzimmer des Spitals fuer Angehoerige uebernachten. Fuer die naechsten Tage organisieren wir uns ein Zimmer im sehr zentral-gelegenen Junction-Hotel – ein kleines etwas schmuddeliges Zimmer mit eigenem Bad, dafuer aber nur fuer 50 Dollar die Nacht, wir buchen gleich fuer eine Woche…

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Die Wunden werden dann zum Glueck erstmals besser, das Fieber verschwindet und es geht bergauf! Die Versorgung durch die Krankenschwester ist sehr gut, sie kommt taeglich aufs Zimmer. Julia unternimmt waehrenddessen ein paar Spaziergaenge, besorgt Lebensmittel und holt taeglich das Mittagessen aus dem nahegelegenen „Sola Cafe“ – ein Fairtrade-Lokal mit leckeren kleinere Speisen – auf unser Zimmer, wo wir gemuetlich im Bett essen – sehr viel mobiler bin ich zu dem Zeitpunkt leider noch nicht…
Letzte Woche Samstag (19.11.) machen wir dann den ersten Rollstuhl-Ausflug! Es ist Wochenmarkt in Thames und wir bahnen uns den Weg die Pollen Street auf und ab. Hier haben wir uns gleich mit ein paar Leckereien fuer das Abendessen eingedeckt: frische Macadamia-Nuesse (die schmecken einfach unvergleichlich gut und wurden uns von der Frau am Stand sogar geschenkt), etwas Brie, frisches Pita-Brot und gefuellte Weinblaetter vom Tuerken.

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Mit jedem Tag werden die Schmerzen etwas besser und wir unternehmen einen Ausflug zu zweit mit dem Rollstuhl zum Meer…

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Am Dienstag kommen Jenn & Brian in die Stadt und wir gehen gemeinsam Mittagessen ins Melbourne Café – die beiden lassen es sich nicht nehmen und laden uns ein; „We are older and we have more money.“ sagt Brian bestimmt, als wir sagen, dass wir bezahlen wollen.

Hier ein paar Eindruecke von Thames und unseren kleineren Ausfluegen:

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Am Mittwoch (23.11.) ist dann der erste Tag an dem ich mehr als nur 5 Schritte mache und einen kleinen „Ausflug“ alleine zum Meer unternehme, waehrend Julia nach Waiomu zu ihrer Wanderung aufgebrochen ist. Ach, wie herrlich wieder auf eigenen Beinen zu stehen! Am Abend gehe ich ins Kino waehrend Julia noch auf ihrer Wanderung ist. „Café Society“ von Woody Allen hat mir echt gut gefallen!

Waehrend Samy also die ersten Tage in Thames grossteils im Bett verbracht hat, habe ich (Julia) die Stadt erkundet: Echt fein, nach dem verschlafenen Colville nun in einer kleineren „Stadt“ gelandet zu sein, wo es verschiedenste Cafes und Restaurants gibt, die wieder etwas mehr Abwechslung in unseren Speiseplan bringen – und wir haben sogar ein Kino nebenan! Thames ist eine ehemalige Goldgraeberstadt und es gibt noch einige historische Gebaeude, die an diese Vergangenheit erinnern. Die „School of Mines“ zum Beispiel, in welcher zu frueheren Zeiten (ca. 1860 bis 1950) ein international-anerkanntes Mining Degree erworben werden konnte, wollen wir uns vielleicht in den naechsten Tagen noch ansehen!

Meine erste laengere Wanderung alleine hat mich vor ein paar Tagen in den Coromandel Forest – der direkt in den Bergen hinter Thames startet – gefuehrt. Ein schoener Wald- & Wiesen-Trampelpfad, der sich einen Berg hinaufgeschlaengelt – sehr angenehm zu gehen! Viele Farnbaume haben den Weg gesaeumt und der einzige „Gegenverkehr“ auf dem Weg war ein Paerchen kalifornische Schopfwachteln. Bei dieser Wanderung sehe ich auch ein paar kleinere Hoehlen, die noch aus der Goldgraeberzeit von Thames stammen. Wie so oft ist auch schon der Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung ganz nett, nachdem haeufig wild-wachsende Kapuzinerkresse und andere farbenpraechtige Blumen den Strassenrand saeumen.

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Am Mittwoch (23.11.), habe ich dann meine erste Ganztageswanderung alleine unternommen. Nachdem man in Neuseeland ohne Auto ziemlich unflexibel ist, da die Wanderungen oftmals mitten im Nationalpark bzw. entlang einer Verbindungsstrasse starten, habe ich fuer meine geplante Tour erstmal 10km Autostoppen muessen – was sich alleine schon ganz anders anfuehlt als zu zweit… Mein erster „Chauffeur“ war ein 90-jaehriger ehemaliger Polizist, mit dem eine Unterhaltung aufgrund seiner Schwerhoerigkeit allerdings nur sehr eingeschraenkt moeglich war – auch wenn ich gut am Ziel angekommen bin, habe ich mir vorgenommen, bei der Rueckfahrt bei einer etwas juengere Person einzusteigen  😉 Die Wanderung, welche im Kuestenort Waiomu (noerdlich von Thames) startet, hat mich nach etwa einer Stunde ueber einen gut-ausgebauten Weg zum Waiomu Kauri Grove gefuehrt. Im Wald hier gibt es einige riesige Kauri-Baeume, auch wenn keiner davon einen aehnlich-grossen Stammumfang hat, wie jene Kauri,  die wir im Northland gesehen hatten. Danach wurde der Track zum “Tramping Track” (das DOC klassifiziert – je nach Wegbeschaffheit/Anspruch die Tracks in verschiedene Kategorien). Der nunmehr schmale Trampelpfad wurde ab dem Zeitpunkt deutlich steiler und zugewachsener. Nach fast 3 Stunden Gehzeit war ich am hoechsten Punkt – auf knapp 700m angekommen – einer Junction, dh. einem Kreuzungspunkt, von dem aus mehrere Wege weiterfuehrten – ich habe den Weg zurueck an die Kueste nach Te Puru eingeschlagen.  Der teilweise ziemlich zugewachsene Weg fuehrte weiter durch dichten Wald – zunaechst auf und ab den Kamm entlang und spaeter wieder bergab. Im Tal angekommen haben noch ein paar Crossings vom Te Puru Creek auf mich gewartet. River-crossings sind meistens  eine nette Abwechslung – solange der Fluss nicht zu tief, die Stroemung nicht zu stark und das Wasser nicht zu trueb ist. Emma & Harry (das Paerchen aus Christchurch) haben uns bei der gemeinsamen  Busfahrt zum 90MileBeach folgenden Tipp aus einem Survival-Training weitergegeben: Das Rivercrossing ist gut machbar,  wenn alle 3 bzw. zumindest 2 dieser Faktoren erfuellt werden, aber sobald 2 oder 3 dieser Kriterien nicht erfuellt werden, sollte man den Fluss nicht kreuzen, da es sonst zu gefaehrlich waere – eigentlich eine super Logik und ‚mein‘ Fluss war in dieser Hinsicht vorbildlich! Und so bin ich um kurz vor 6 nach ueber 20km und 900Hm wieder gut im Kuestenoertchen Te Puru angekommen. Das Autostoppen zurueck hat dann etwas gedauert, nachdem eher wenig Verkehr war und ich beim ersten Auto nicht eingestiegen bin – dann hat mich aber doch noch ein netter Einheimischer  mitgenommen, der auch auf dem Weg nach Thames war, um fuer seine Familie Fish&Chips fuers Abendessen zu besorgen, und hat mich direkt vor dem Hotel abgesetzt – sehr nett!

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Vorgestern  (Do, 24.11.) haben wir dann gemeinsam einen der Stadtspaziergaenge von Thames gemacht mit feinen Ausblicken auf die Kueste – nachdem wir Samys Kruecken im Spital zurueckgegeben hatten und auch den Rollstuhl bei dem kleinen Verein gegenueber. 🙂 Und gestern (Fr, 25.11.) haben wir einen Ausflug zum Monument mit Ausblick auf Thames gemacht – nach diesen 2 Wochen ‚Zwangspause‘ fuehlt es sich richtig gut an, wieder zusammen unterwegs zu sein!

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… Aufgrund der schlechten Wetterprognosen fuer Tongariro und Taumarunui werden wir nun doch noch ein paar Tage in Thames bleiben und Di-Fr wandernd im nahegelegenen Kauaeranga Valley verbringen – und endlich geht’s wieder zurueck in unser heimeliges Zelt! 🙂

Alles Liebe,

Die Stadtgeniesser

 

Es geht wieder bergauf… 🙂

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