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…back in Auckland!

Hallo ihr Lieben,

nach 6 Wandertagen und einer kurzen Busfahrt sind wir wieder zurueck in Auckland. Aufgrund der sehr schlechten Wetterprognose fuer heute Montag (07.11.), haben wir uns gestern in Orewa entschieden fuer die letzten 45 Kilometer nach Auckland den Bus zu nehmen, um 2 volle Tage fuer diverse Erledigungen und die Planung der naechsten Wochen zu haben – wir haben naemlich vor, an dieser Stelle die Route des Te Araroa Trail, die ab Auckland grossteils ueber Asphaltstrassen bis nach Hamilton fuehrt, zu verlassen und dafuer einen Abstecher auf die Coromandel Peninsula zu unternehmen!

Wir waren bereits vor 6 Jahren im Coromandel und es ist eine sehr bezaubernde Halbinsel, mit den schoensten Straenden Neuseelands, Kauri-Waeldern, einem kleinen „Gebirgszug“ und einigen Besonderheiten wie z.B. dem Hot-Water-Beach, in welchem man sich eine kleine Gruben buddeln kann, die sich mit warmem Grundwasser fuellt (dort setzt man sich dann hinein und kann aufs Meer hinausschauen :-)). Wir sind nicht die ersten, die eine so genannte „Detour“ ins Coromandel anstatt der normalen Route ueber Hamilton unternehmen und wir haben bereits 3 andere TA-Hiker getroffen, die ebenfalls mit diesem Gedanken spielen. …Nachdem es aber nicht wirklich eine komplette Route durch Coromandel gibt, starten wir heute bzw. morgen den Versuch einer individuellen Routenplanung – mal schauen was dabei rauskommt :-).

Wir haben uns auch wieder unsere „Bounce-Box“ nach Auckland schicken lassen und bereiten uns ausruestungs- und versorgungstechnisch auf die naechsten Wochen vor. Als wir gestern nach Auckland kamen, war der erste Weg gleich mal zur Post, um die Bounce-Box zu holen. Wir standen vor verschlossenen Tueren und erst nachdem ich das Handy aufdrehte, merkten wir, dass Sonntag ist – ist irgendwie cool, wenn die Wochentage keine Bedeutung mehr haben, ausser man ist in der Stadt und muss auf die Post ;-). Tja, und heute scheint wider erwartet die Sonne und wir haben soeben beschlossen ab sofort einfach nicht mehr den Wetterbericht zu lesen ;-). Aber wir denken, dass wir nicht allzu viel auf den letzten Kilometern nach Auckland verpasst haben, da Auckland sich mit seinen Vororten ueber eine weite Flaeche zieht und wir auch einiges auf der Strasse neben dem Strand gegangen waeren, je nach Niveau des Meeres (Ebbe/Flut). Trotzdem waers schoen gewesen, zu Fuss in die Stadt „einzureiten“, von der aus wir vor knapp einem Monat – am 11.10. – aufgebrochen sind, um am darauffolgenden Tag  unsere Wanderung zu starten.

In den vergangenen 6 Gehtage von den Whangarei-Heads bis nach Orewa hatten wir – wieder mal 🙂 – eine wirklich gute Zeit, in der wir ca. 143Km zu Fuss, 7,5Km per Autostopp und 7Km mit dem Kajak zurueckgelegt haben! Damit haben wir bereits 516Km und 14.000 Hoehenmeter in den Beinen, die wir auch spueren ;-). Wir fuehlen uns gerade einerseits sehr vital und stark und andererseits fuehlen sich vor allem unsere Beine etwas muede an. An den ersten Schritte in der Frueh merken wir die verkuerzten Muskeln und wir brauchen immer ein wenig, bis wir wieder ganz gerade gehen ;-). So, jetzt wird’s aber Zeit fuer Tagesberichte und Fotos :-)…

Am 30.10. haben wir mit Jo und Rob (er heisst Rob und nicht Bob, wie im letzten Blogeintrag geschrieben ;-)) noch ein schoenes Abendessen gehabt – Jo’s vegetarische Gerichte mit Gemuese aus dem Garten sind echt superlecker (…aber fuer TA-Hiker sind die Portionen einfach eindeutig zu klein und so haben wir danach noch einiges an Schokolade und Bananen als Nachspeise verputzt – selten, dass wir wirklich ein Saettigungsgefuehl verspueren ;-))! Und wir haben an diesem Abend zum ersten Mal einen Regenbogen gesehen, dessen Anfang deutlich sichtbar war (kurz haben wir ueberlegt, dort nach Gold zu graben ;-)). Beim Abendessen haben wir mit Jo und Rob ueber die Moeglichkeiten gesprochen, auf die andere Seite der Bucht zu kommen wo der TA fortsetzt. Spontan haben sie uns angeboten, dass wir alle gemeinsam am naechsten Morgen mit der „Blue Moon“, dem von Rob selbstgebauten Segelboot, auf dem die beiden ueber 20 Jahre unterwegs waren, auf die andere Seite zu fahren, da sie ohnehin Diesel auftanken muessen, weil sie ueber Weihnachten fuer 7 Wochen Urlaub auf dem Boot machen und die Kueste entlang schippern wollen. Die Augen der beiden beginnen immer zu strahlen, wenn sie von ihrem Boot und ihren Segel-Abenteuern zu diversen Pazifik-Inseln erzaehlen, bei denen sie oft Jahre verbracht haben. Wir koennen gut mitfuehlen, wenn sie sagen, dass das schoene Haus in der McLeods-Bay (Whangarei Heads) mit dem B&B und dem Yoga-Retreat, in dem wir uns so wohlfuehlen, nicht ihr eigentliches zuhause ist, sondern die Blue Moon und das weite Meer (witzig ist uebrigens, dass diese „Seenomaden“ auf ihren Reisen am Meer nie ihren wirklichen Nachnamen benutzen, sondern stattdessen den Namen des Bootes – also Jo&Rob Bluemoon – da entstehen laut den beiden oft ziemlich lustige Namen bzw. (er)kennt man manche Weggefaehrten mit „richtigem“ Namen kaum ;-)).

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Ja, uns so ging’s am naechsten Tag (31.10.) um 8 Uhr los, wir fuhren die wenigen Meter zum Strand, liessen das Ruderboot ins Wasser und nach 2 Hin-und-Herfahrten mit dem Ruderboot waren wir alle, samt unseren Rucksaecken, auf der Blue Moon. Fuer uns war es eine Ehre auf die Blue Moon zu kommen, mit dem Wissen, dass dieses Boot schon so weit und viel gereist ist. Wir sassen auf der Railing in der Sonne und beobachteten die perfekt-eingespielten Handgriffe der beiden. Rob startete den Motor und wir tuckerten los durch die Bucht. Beilaeufig erwaehnte Rob, dass bis vor 3 Wochen die Orcas durchgezogen sind, die man hier gut beobachten kann und dass wir gute Chancen haetten, bei der Ueberfahrt Delphine und Robben zu sehen. Delphine und Robben sahen wir nicht, aber dafuer wie sich die Toelpel (ziemlich grosse Meeresvoegel) im Sturzflug ins Meer stuerzten, um in die Fischschwaerme einzutauchen und nach Fischen zu jagen – haben wir vorher noch nie beobachten koennen, obwohl wir schon grosse Toelpel-Kolonien gesehen haben. Der Weg auf die andere Seite der Bucht fuehrte uns auch bei der Oel-Raffinerie vorbei und einem Verladehafen fuer Baumstaemme – ein bizzares Bild diese riesigen Industrieanlagen und Transportschiffe im Kontrast zu den naturbelassenen Buchten und dem Marine-Reserve (geschuetzte Wasserflaechen), zu sehen. Bei der Tankstelle am Mardsen-Point legten wir an, umarmten die beiden und verabschiedeten uns herzlich. Wir wuenschen Jo und Rob, dass sie bald wieder dauerhaft in ihrem eigentlichen zuhause – der Blue Moon – leben koennen und sind ihnen fuer ihre Unterstuetzung und die feine Zeit bei ihnen sehr dankbar!

Nach einer kurzen Orientierungsphase schlugen wir den Weg Richtung Highway und dem Strand ein, um wieder auf den Te Araroa Trail zu kommen. Beim Highway angelangt nahmen wir nochmal die Karte zur Hand und gerade als wir beschlossen haben, die 7Km auf der Asphaltstrasse per Autostopp zurueckzulegen, blieb eine Maori-Frau stehen und rief „Can I give you a ride?“. Sie wollte eigentlich in die andere Richtung, machte fuer uns aber gerne kehrt und fuhr uns genau an die Stelle, wo der Weg wieder auf den Strand fuehrt und sich der TA fortsetzt – die Freundlichkeit dieser Leute hier fasziniert uns immer wieder…! Es tat richtig gut, wieder am Strand und zu Fuss mit dem Rucksack unterwegs zu sein. Wir genossen die paar Strandkilometer, bogen dann ab auf die – zum Glueck – nicht sehr stark befahrenen Strassen nach Waipu – gerade richtig zur Lunch-Time :-). In einem netten Organic-Café haben wir es uns gemuetlich gemacht, waehrend sich draussen der Himmel verdunkelte und es zu regnen begann. Das Café schliesst eigentlich um 14 Uhr, aber die Leute meinten, wir koennen so lange bleiben wie wir wollen und boten uns an, uns mit dem Auto zum naechsten Campingplatz zu bringen (was wir dankend ablehnten). Wahrscheinlich haben wir nach dem Falafelbaguette noch immer hungrig ausgesehen ;-), jedenfalls schenkten sie uns anschliessend  noch Schokomuffins mit Schokotopping, Halloween-Schokoladen (es war der 31.10.) und haben uns bei unserem Aufbruch fuer das Abendessen noch einen grossen pikanten Muffin und einen leckeren Avocado-Salat mitgegeben, alles geschenkt!

Der Regen liess etwas nach, wir zogen uns die Regensachen an und setzten unseren Weg fort. Bald hoerte es ganz auf zu regnen und die Sonne kam hervor. Wir legten noch ein paar Strassenkilometer entlang der Kuestestrasse zurueck, bevor der Weg nach rechts abbog und uns auf den naechsten 10 Kilometer stetig bergauf auf Schotterstrassen durch Forstgebiet fuehrte. Nach jeder Kurve kamen wir hoeher und die Aussicht auf den Bream-Head, auf dem wir unseren besonderen Zeltplatz hatten bevor wir zu Jo&Rob kamen, die Oel-Raffinerie und den Strand, von dem wir gekommen sind, wurde immer besser. Am hoechsten Punkt angekommen endet das Forstgebiet und ein schoener, junger Waldabschnitt beginnt. Wir fanden eine frisch gemaehte Wiese, ein perfekter Zeltplatz fuer die Nacht!

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In der Nacht war ein Oppossum ganz nahe an unserem Zelt und liess fauchende Laute von sich, was Samy echt ein wenig Furcht einfloesste, waehrend Julia tief und fest schlief (juhu :-)). Irgendwie schon ein gutes Gefuehl, dass es hier keine gefaehrlichen oder giftigen Tiere gibt, wenn man so viele Naechte im Zelt verbringt. Als wir in der Frueh begannen, unser Fruehstueck zu machen, kamen auf einmal Lindsay&Allison (das liebenswerte Neuseelaendische Paar, die schon in den 60ern sind und die wir bereits nach dem 90MileBeach in Ahipara kennengelernt haben) aus einem Zelt, von dem wir dachten, dass es zu dem grossen Wassertank gehoert, der daneben gestanden ist (es gibt viele entlegene Haeuser, die kein Leitungswasser haben und Regenwasser in Tanks sammeln muessen). Es war schoen, die beiden wieder zu sehen, die bereits geschlafen hatten, als wir am Vortag an diesen Platz kamen. Die beiden waren ab diesem Zeitpunkt treue Begleiter auf unserem Weg: Wir trafen uns in den naechsten Tagen immer wieder auf „unserem“ Weg und verbrachten einige Pausen und Gehkilometer gemeinsam.
Der Weg (01.11.) fuehrte an diesem Tag durch schoenen Wald, durch den die Morgensonne schien und an Aussichtsplaetzen vorbei mit weitem Panorama ueber die Kueste und das Meer. Nach einem kurzen Abschnitt ueber schoenes Farmland kamen wir zum Mangawhai-Heads-Cliff-Walkway. Ein „5 Sterne“-Wanderweg auf dem wir auf Augenhoehe mit den Toelpel und Moewen spazierten, unter uns die schoene Kueste und das weite Meer mit den vorgelagerten Inseln und neben uns knorrige Baeume, die Schatten spenden und so schoen anzuschauen sind. Ein echter Genuss-Walk! Nach den Mangawhai-Heads kamen wir in den Kuestenort Mangawhai – hier ist die Grenzen zwischen den Provinzen „Northland“ und „Auckland“. Beim Fish&Chips-Laden trafen wir wieder auf Lindsay&Allison, wir tauschten unsere Handynummern aus und die beiden luden uns ein, sie nach der grossen Wanderung zu besuchen – sie wohnen naemlich nicht weit vom Endpunkt „Bluff“ auf der Suedinsel entfernt und betreiben dort gemeinsam mit ihren Kindern einen Dairy-Farm. Im Supermarkt stockten wir unsere Vorraete auf und machten uns auf den Weg raus aus der Stadt. Wir haben fuer die Nacht eine Cabin im Riverside Holidaypark reserviert und waren sehr happy, dass wir eine Reservierung hatten, da der Campingplatz komplett ausgebucht war (Lindsay&Allison haben leider keinen Platz mehr bekommen und daher den Weg noch fuer einige km fortgesetzt). Kurz nach unserer Ankunft fing es gleich heftig an zu regnen und auch waehrend der Nacht gab es einige Schauer und wir fuehlten uns pudelwohl in unserer Cabin :-). (Zum Glueck schafften es auch Lindsay&Allison noch rechtzeitig ins Zelt, bevor der Regen kam, wie sie uns am naechsten Tag erzaehlt haben.)

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Am naechsten Tag (02.11.) gingen wir den Weg gemuetlich an: Wir hatten naemlich einen Strand-Wandertag vor uns, an dessen Ende der Pakiri-River ins Meer muendet und man kann diese Stelle nur bei Ebbe passieren. An diesem Tag soll es erst ab 16 Uhr moeglich sein, auf die andere Seite zu waten. Wir genossen die 20Km am Strand, vor allem mit dem Wissen, dass die Strand-Wandertage in der Form nicht mehr wiederkommen werden, da der Grossteil des weiteren Weges uns eher durch das Inland fuehren wird. Das Wetter spielte an diesem Tag etwas verrueckt mit abwechselnd Regen und Sonne. Der Regen dauerte aber nie laenger als 5 Minuten und so zogen wir uns am Ende die Regensachen gar nicht mehr an. Wir passierten 2 Fluesse, die wir auch bei dem noch hohen Meeresniveau gut durchwaten konnten, wenn auch das Wasser schon gut ueber die Knie reichte. Wir kamen zur perfekten Zeit ans Ende des Strandes und konnten den Pakiri-River gut durchwaten. In Pakiri haben wir uns beim Campingplatz gleich mal ein Eis gegoennt. Nachdem das Eis so schnell weg war, haben wir gleich noch ein zweites gegessen 😉 und auf einmal waren wir 7 TA-Hiker, die sich beim Campingplatz eingefunden haben und Eis schleckten. Wir trafen hier wieder auf Josee, Giorgio, Laura, Mark und Gemma und auch Lindsay&Allison waren am Campingplatz. Wir fuehlten uns nach den „einfachen“ Strandkilometern noch recht fit und wollten in dieser Nacht wieder wild-campen und so zogen wir noch weiter, liessen Pakiri hinter uns und stapften in der Abendsonne noch einen steilen Berghang hoch, der zum Beginn des Omaha-Forest fuehrt. Am Top fanden wir einen super Platz fuer das Zelt und die Aussicht auf den Strand, von dem wir gekommen sind, und das Huegelland war wunderschoen und das Abendlicht trug das seine zu einer tollen Stimmung bei! Das sind mitunter die schoensten Momente: Nach einem tollen Wandertag alleine auf einem schoenen Zeltplatz mit Aussicht zu sein, den Sonnenuntergang zu beobachten, ein leckeres Essen zu kochen und einfach nur geniessen, bevor die Luft frischer wird und man sich gerne in den kuscheligen Schlafsack legt und die mueden Beine ausstreckt. Ein Abendritual, auf das wir uns immer schon freuen wenn wir in den Schlafsack kriechen, ist das Durchschauen der Fotos des Tages auf der Kamera :-).

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Nach einem leckeren Porridge (03.11.) ging’s rein in den Omaha-Forest – ein langer Wandertag mit vielen Waldkilometer durch den „Omaha-Forest“ und den „The Dome-Forest“ wartete auf uns. Das Wetter war perfekt und wir fuehlten uns richtig wohl als wir durch die abwechslungsreichen Waelder streiften. Nach 20Km, ueber 1000Hm und 6 Stunden reiner Gehzeit (lt. GPS) kamen wir kurz vor dem „The Dome Summit“ auf eine etwas holprige, aber freie und durch den umliegenden Wald geschuetzte, Wiesenflaeche mit erneut schoener Aussicht. Wir waren ca. 1,5h vor dem Ende des „The Dome-Forest“, wo sich ein Kaffeehaus befindet, und beschlossen, die Nacht hier oben zu verbringen um am naechsten Tag im Kaffeehaus ausgiebig zu fruehstuecken! Lindsay&Allison kamen dann auch noch vorbei, beschlossen aber noch, bis zum Ende des Waldes zu gehen und so hatten wir den schoenen Abend im Wald wiedermal fuer uns :-).

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…Es ist einfach so fein, wenn man erwacht, die Sachen packt und mitten im Wald seinen Weg fortsetzt (04.11.). Die frische Morgenluft, der wuerzige Duft des Waldes und die waermenden Sonnenstrahlen, die den Tau vertreiben – die vielleicht schoenste Tageszeit, um durch den Wald zu wandern! …Noch dazu mit der Aussicht auf frische Spiegeleier mit gebratenem Speck und Buttertoast, Himbeer-Muffin mit weisser Schokolade, Banoffee-Cake, Scone mit Marmelade und Cream, Kaffee, Chai-Latte und heisser Schokolade (ja, das alles haben wir uns gegoennt ;-)) waren wir in regelrechter Freudenstimmung! Es ist faszinierend zu beobachten, dass ein leckeres Fruehstueck dem Weitwanderer genauso viel Freude bereiten kann wie ein schoener Wanderweg (oder eine heisse Dusche ;-)). Wir trafen im Kaffeehaus auf Lindsay&Allison und wir waren – aufgrund der reichhaltigen Speisekarte – alle einfach nur gut gelaunt :-). Wir warteten noch einen kurzen Regenschauer ab und machten uns um kurz vor 11 Uhr auf den Weg in das 27Km entfernte Puhoi, das wir an diesem Tag noch erreichen wollten. Kurz bevor wir starteten kam auch noch Josee aus dem Wald und bestellte sich auch gleich mal eine heisse Schokolade und Olly, ein TA-Hiker aus England, dem wir hier zum ersten Mal begegnet sind.
Der Weg war einfach zu gehen, Forststrassen und Lehmwege fuehrten uns den meisten Weg ueber huegeliges Farmland. Wir trafen am Weg immer wieder auf Lindsay&Allison und auch Josee, machten gemeinsam Rast und gingen dann wieder jeder in seinem eigenen Tempo weiter. Der letzte Abschnitt nach Puhoi fuehrt durch 2 besonders schoene Waelder („Dunn’s Bush“ und „Puhoi Track“), die aufgrund ihrer Vielfalt an seltenen Baeumen streng geschuetzt sind. Am Beginn des 5Km langen Puhoi-Track, der direkt nach Puhoi fuehrt, war es bereits 18 Uhr und wir flitzten (im Sinne von schnell und nicht nackt ;-)) regelrecht die ersten Kilometer durch den Wald, um noch vor Sonnenuntergang nach Puhoi zu kommen. Wir wurden dann aber schnell wieder eingebremst von der schoenen Szenerie dieses Waldes, die einem keine andere Wahl laesst als stehen zu bleiben, nach oben und zu allen Seiten zu schauen und diese alten maechtigen Baeume zu bestaunen! Momente und Stimmungen wie diese zu teilen ist eine der schoensten Freuden auf unserer gemeinsamen Wanderung. Am Ende des Puhoi-Track sehen wir schon hinunter auf das Café und das Pub (darauf haben wir uns auch schon gefreut ;-), steigen den letzten Weg hinab und kommen direkt zum Sportplatz, an dem schon Josee auf uns wartet. Es gibt oeffentliche Toiletten und eine freie Wiesenflaeche neben dem Sportplatz, perfekt fuer 3 Zelte, Lindsay&Allison stossen naemlich in der beginnenden Daemmerung auch noch zu uns. Die 2 aelteren Semester haben sich nach dem ueber 30Km langen Gehtag gleich ins Zelt verkrochen. Uns beide und Josee zog es noch ins Pub, zu warmem Essen und einem Bier. Im Pub stossen wir wieder auf Olly, mit dem wir ueber die Coromandel-Variante sprechen, vielleicht sehen wir ihn dort wieder…

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Am naechsten Tag (05.11.) hatten wir genuegend Zeit, Porridge zu kochen und anschliessend das Fruehstueck im Café gegenueber fortzusetzen 🙂 . Wir haben naemlich eine Kajak-Fahrt vor uns, die nur bei Flut – an diesem Tag ab 12 Uhr – moeglich ist. Wir liessen das Zelt in der Sonne trocknen und machten es uns mit Josee und Lindsay&Allison auf der Bank vor dem Café gemuetlich. Gerade als wir zum nahegelegenen Kajak-Verleih aufbrechen, kommen Kent und Tane zu uns. Kent, ein 50jaehriger Amerikaner der bereits einige „Long-Distance-Walks“ in Amerika gemacht hat, sind wir seit dem Raetea-Forest immer wieder ueber den Weg gelaufen. Tane, ein Kiwi in den 40ern, der auf der nahegelegenen „Great Barrier Island“ mit nur 800 Einwohnern lebt, treffen wir hier zum ersten Mal.
Das Kayakfahren am Puhoi-River hat echt Spass gemacht. Wir nahmen ein Doppelkajak mit Ruder, das man mit den Fuessen steuert – ein echtes Comfort-Paddeln sozusagen :-). Und so glitten wir dahin auf dem Fluss in Richtung Meer, Josee und Lindsay&Allison neben uns. Nach 7Km und 1,5h kamen wir zur Ausstiegsstelle kurz vor dem Meer, an der schon der Bus mit unseren Rucksaecken wartete. Das anvisierte Ziel fuer diesen Tag war der Campingplatz im 13Km entfernten Orewa – Zeit genug also, um noch am Fluss zu sitzen und uns mit Muesliriegel zu staerken. Wir starteten den Weiterweg mit Josee. Gut ausgebaute Walkways fuehrten durch schoenen Wald und Plaetzen mit super Aussicht auf das Meer. Wir kamen wieder an den Strand, trafen auf Lindsay&Allison und waren wieder zu 5t. Es war wieder Ebbe und wir konnten ohne nass zu werden am Meer entlang wandern – es war ein sehr schoener Kuestenweg, der ueber raues, mit Muscheln besiedeltes Gestein, immer wieder an verlassene Straende fuehrt. Wir liessen uns treiben und fuehlten uns richtig wohl. Der letzte, schon urbane Strandabschnitt fuehrt direkt zum Campingplatz in Orewa, wo schon eine reservierte Cabin auf uns wartete. Es wartete nicht nur die Cabin auf uns, sondern auch Giorgio&Laura und Kent&Tane, die das Kajakfahren ausgelassen haben und bereits im Camp waren. Giorgio hat 3 Flaschen Wein gekauft, die wir neben Pizza, Schokolade und Eis auf der Bank neben dem Strand genossen haben. Es war an diesem Tag auch ein spezieller Feiertag in Neuseeland, an dem Feuerwerk geschossen wird und so hat der Strand immer wieder mal aufgeleuchtet, waehrend wir Geschichten austauschten und sehr viel Spass hatten – es war ein so lustiger Abend, nach einem so schoenen Tag! Es war spaet als wir ins Bett kamen, draussen hoerten wir noch vereinzelt Feuerwerke, als wir noch die Fotos auf der Kamera durchschauten, bevor wir wegschlummerten…

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Am naechsten Tag (06.11.) haben WIR beschlossen, noch 2 Naechte in Orewa zu bleiben. Es soll ein Internetcafe hier geben und wir dachten uns, dass wir auch von Orewa aus die Planung fuer Coromandel machen koennen, und somit das schlechte Wetter auch in Orewa statt in Auckland aussitzen koennen. Und so starteten wir eine Waschmaschine mit unseren Sachen und gingen zu Rezeption. Tja, und da gab es gleich mal 2 Daempfer fuer unseren Plan: Die Cabin ist nur mehr fuer eine Nacht verfuegbar, weil eine Schulklasse im Camp erwartet wird und das Internetcafe gibt es seit 1 Jahr nicht mehr. Ok, Planaenderung! Wir liessen die Waesche in der Sonne trocknen, packten unser Zeug und buchten am Handy den Bus der um 14 Uhr von Orewa nach Auckland faehrt. Giorgio&Laura waren noch im Camp und haben beschlossen noch eine Nacht zu bleiben. Mit ihnen gingen wir noch etwas Mittagessen, bevor wir in den Bus nach Auckland stiegen. Es war auch ein Abschiednehmen, da Giorgio an diesem Punkt seine Wanderung beendete, um einen Woofing-Job bei einem Messer-Schmied im Northland zu starten und ab Jaenner dann nach Kambodscha zu reisen, um sich dort als Reiseveranstalter fuer Bootsfahrten selbstaendig zu machen. …Und nachdem wir beide durch Coromandel gehen und den TA fuer ca. 300Km verlassen werden, ist auch fraglich, ob und wen wir von den bisherigen Begleitern wiedersehen werden…

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Wir kamen gestern also wieder nach Auckland – tja, es ist eine Grossstadt und wir freuen uns eigentlich schon wieder, wenn wir die Stadt verlassen koennen. Wir sind wieder in unserem BK-Hostel untergebracht und vermissen nach der ersten Nacht schon unser Zelt und das Gruen der Natur (auch wenn sich eine echte Matratze fuer den Ruecken mal wieder ganz gut anfuehlt :-)). Wir sind schon gespannt, ob wir eine gute Route durch Coromandel finden! Aus jetztiger Sicht ist es wahrscheinlich, dass wir uebermorgen Mittwoch in der Frueh den Bus nach Coromandel Town nehmen, aber wer weiss wie es wirklich laufen wird ;-)!

In diesem Sinne, bis bald mal wieder! Habt es schoen und macht es euch gemuetlich, wenn nun die Tage kuerzer und die Temperaturen niedriger werden! Ihr seid unsere stetigen Begleiter im Herzen!

Alles Liebe von den Kajakern 🙂

Messages in the sand make hikers happy 🙂 …

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PS: Wir freuen uns wirklich immer sehr ueber eure Nachrichten und auch, dass ihr den Blog so gerne lest! Manchmal ist es vielleicht etwas ausfuehrlich geschrieben, aber fuer uns ist das Schreiben dieser Zeilen ein regelrechtes Rekapitulieren des Erlebten. Nach den vielen Gehtagen verschwimmen die Erinnerungen teilweise, aber wenn wir uns hinsetzen und zu schreiben beginnen, den Weg nochmal bis zum aktuellen Tag Revue passieren lassen, haben wir wieder die Eindruecke und Bilder vor Augen und fuehlen uns zurueckversetzt an die Orte, an denen wir waren und denken an die Begegnungen die wir hatten. Wer weiss, ob wir uns in weiterer Folge immer so lange Zeit fuer die Posts nehmen wollen, aber im Moment macht es uns Freude, uns dem zu widmen. 🙂

PPS: Es hat ja ein paar Fragen gegeben…

@Babsi: Nein, die Fotos sind nicht nur von Julia – wir wechseln uns taeglich ab mit der Kamera (damit es diesmal auch mehr Fotos mit Julia gibt ;-)) und so sind die Fotos ziemlich fifty/fifty von Julia&Samy. Mit der Kamera sind wir super zufrieden! Die Himmelsstimmungen und Landschaftsaufnahmen werden richtig gut wiedergegeben, die Waelder muesst ihr euch aber manchmal noch um einiges schoener vorstellen, als auf den Fotos :-)!

@Janine: Wir haben beide einen Rucksack von Deuter. Julia hat einen Act-Lite 45+10 Liter, Samy einen Act-Lite 50+10 Liter. Ein Rucksack hat nicht viel mehr als 1,5kg, sie sind super robust und sitzen gut. Generell sind wir mit unserer Ausruestung sehr zufrieden. Wir haben einen kleinen Gasbrenner, der gemeinsam mit der Gaskartusche und dem Feuerzeug perfekt in den ultra-light Primus-Kochtopf mit einem Deckel, den man auch als Pfanne verwenden kann, passt. Wir haben jeder 1 Regenjacke, 1 Regenhose, 1 lange Hose, 1 kurze Hose, 2 Leiberl, 2x Unterwaesche, 1 Langarmshirt, 1 Fleece-Weste und 1 leichte Daunenjacke, 2 Paar Socken, 2 duenne Schlauchtuecher, leichte Haube/Stirnband, Sonnenhut, Sonnenbrille, Gamaschen, Trekkingschuhe, Trekkingsandalen, Taschenmesser, Wasserfilter, zusammenzippbare Daunenschlafsaecke (bis 5 Grad Komforttemperatur), self-inflate Isomatten, ein GPS-Geraet mit aufladbaren Ersatzbatterien fuer bis zu 8 Tage, Handy, mp3-Player, Kamera + 3x Akku auch fuer bis zu 8 Tage und Ladegeraete fuer das ganze Zeug, Sonnecreme, Basic-Toilettzeugs, Buerste, Medikamente/ErsteHilfe-Set, Notfall-Peilsender, 1 Handtuch, 1 Taschenlampe, Taschentuecher, 1 Klopapierrolle+Schaufel, Rucksack-Regenhuelle, Becher (keinen Teller od. Schuessel, wir essen direkt aus dem Topf), 2 Plastikteile die Gabel, Messer und Loeffel in einem sind, wir haben jeweils 1 Camel-bag im Rucksack Julia fuer 1,8L, Samy fuer bis zu 3 Liter – wir waren vorher noch nie mit sowas unterwegs, ist aber echt praktisch! Julia hat einen Kindle, Samy ist „old-school“ mit einem Buch unterwegs, aja und das Zelt – ein 1,2Kg leichtes Vaude-Trockaufbau-Zelt (Taurus SUL) , das heisst das Aussenzelt ist mit dem Innenzelt zusammengeklippst, die Stangen werden aussen angebracht und man kann das Zelt somit auch wenn es regnet aufstellen, ohne dass es innen nass wird, Wassersaeule aussen 5.000mm und am Boden 10.000mm, da geht echt nix durch, auch wenn das Zelt im Nassen steht und man sich im Zelt hinkniet. Wir haben auch noch eine kleine, sehr leichte Plane hier gekauft, hat 3 Dollar gekostet und wird im Vorzelt aufgelegt, damit die Rucksaecke nicht am Boden liegen muessen, was echt gut ist, da es immer viel Tau gibt in der Frueh. Das Zelt ist ziemlich optimiert was die Groesse anbelangt und wir beide duerften echt nicht groesser sein – manchmal sehen wir 1-Mann Zelte die groesser aussehen als unseres ;-). Der Vorteil ist, dass wir recht leicht einen Platz zum Aufstellen finden, im Raetea-Forest zum Beispiel haetten wir mit einem groesseren Zelt keine Chance gehabt direkt auf dem Track das Zelt aufzuschlagen. Ausserdem haben wir immer ziemlich viel Essen dabei – oft Fruehstueck, Mittag- und Abendessen fuer bis zu 6 Tage + ausreichend Wasser (je nachdem, wo es den naechsten Fuss zum auffuellen gibt) . Da kommt dann schon einiges an Gewicht zusammen. Wir sind verhaeltnismaessig vielleicht etwas schwerer unterwegs als der Durchschnitt (zumindest Samys Rucksack ;-)), dafuer geht uns nie das Essen oder Wasser aus, was anderen schon passiert ist – wir planen da immer etwas grosszuegiger 😉