Archiv für den Monat: Februar 2017

Two Thumb Track, mit dem Fahrrad nach Twizel und ueber Ahuriri- und Breast Hill-Track nach Wanaka

Ihr Lieben,

Lange ist’s her und viele Kilometer und Hoehenmeter wurden wieder zurueckgelegt seit unserem letzten Eintrag aus Geraldine. Mit dem „Two Thumb Track“ und dem „Breast Hill“ haben wir 2 besondere Highlights des Te Araroa bei herrlichem Sommerwetter erlebt! Der Sommer ist nun endlich in Schwung gekommen und das Baden in den vielen schoenen Seen bei denen wir vorbeigekommen sind hat uns immer wieder an das schoene Salzkammergut und das Blau des Attersees erinnert :-)!

Nach einem ziemlich erledigungsreichen Rest-Day in Geraldine sind wir am Di, 14.02. um 10 Uhr von der netten Frau des Community Service aus Geraldine bei unserem Motel abgeholt und in das 20 Minuten entfernte Peel Forest gebracht worden (ein super-Service um nur 14 Dollar pro Person). Nach einem Kaffee und heisser Schokolade ging’s mit dem Betreiber des Cafe – das Kaffeehaus und Post-Office in einem ist – mit dem Jeep auf Postler-Tour. Um 10 Dollar kann man naemlich mit ihm auf seine 1,5 stuendige Post-Verteiler-Tour mitfahren, an deren Ende man zum Ausgangspunkt des Two Thumb Track kommt, an dem der Te Araroa nach der Hazard Zone des Rangitata-River (der zu diesem Zeitpunkt zu hoch war, um durchquert zu werden), fortsetzt. Nach dieser schoenen Rundtour mit der sogenannten „Rural Post“ bei guter Musik mit akustischen Cover-Songs und herrlichen Ausblicken auf die frisch-angezuckerten Berge (es hat am Vortag geregnet bzw. geschneit) haben wir am fruehen Nachmittag den Two Thumb Track gestartet…

Entlang des Bush-Stream – den wir immer wieder durchqueren – fuehrt der Weg bergauf durch das wunderschoene Tal, mit Blick auf die dunklen Felsen mit frischem Schnee…

Nach eine Bergkuppe kommen wir noch einmal zum Fluss, bevor es den steilen Anstieg hinauf zur Crooked Spur Hut geht. Die Blicke ueber das Tal und die Berge sind ein Hammer und werden mit jedem Hoehenmeter besser 🙂

Die Hut mit 8 Bunks ist bereits voll – wir treffen wiedermal auf die amerikanischen Jungs, denen wir seit der Blue Lake Hut immer wieder begegnen und die mittlerweile zu 6t unterwegs sind, ausserdem ist noch eine Frau (Northbounder) aus Melbourne da – und so stellen wir unser Zelt auf dem schoenen Aussichtsplateau auf. Ueber uns fliegt ein Kea und beim Abendessen lassen wir uns von der Frau aus Melbourne von einem Weitwanderweg in Australien erzaehlen (den sie vor einigen Jahren selbst gemacht hat), auf dem man mehr als 20 Giftschlangen am Tag begegnet… Wir sind froh in Neuseeland zu sein :-)!

Die sternenklare Nacht ist A****-kalt und ohne die Inlets waere es mehr als ungemuetlich geworden. Wir machen uns keinen Stress in der Frueh (Mi, 15.02.) und sind um 9 Uhr die Letzten, die sich von der Hut auf den Weg machen…

Es geht gleich mal einige Hoehenmeter bergauf auf den 1.500m hohen Sattel, von dem aus wir die Rundumblicke geniessen, waehrend wir die erste Pause machen. Die Sonne scheint vom Himmel, eine tiefe Stille liegt ueber dem Land und es koennte gerade nicht schoener sein! Der Weg fuehrt hinab und ueber ein paar Huegel kommen wir wieder an den Bush-Stream. Wir geniessen es sehr hier durchzuwandern und die Landschaft erinnert uns an das Altiplano der Atacama-Wueste, nicht zuletzt aufgrund der aussergewoehnlichen Stille hier. Wir kommen zur Stone Hut und treffen den ersten Oesterreicher am Te Araroa, Dominik aus Kirchdorf an der Krems. Wir freuen uns ueber die Begegnung mit dem lieben „Northbounder“ und verbringen die Mittagspause gemeinsam, bevor wir uns auf den Weiterweg machen.

Auf unschwierigem Weg geht es entlang des Bush-Stream zur Royal Hut, unserem Tagesziel (Royal Hut heisst sie, weil Prince Charles und seine Schwester bereits in dieser Hut geschlafen haben). Die Hut ist mit einer Gruppe von 7 aelteren Damen aus Auckland voll belegt und so stehen bereits die Zelte der amerikanischen Jungs, als wir ankommen. Auch wir stellen wieder das Zelt auf und lassen die nassen Schuhe von Sonne und Wind trocknen…

Die Nacht bei der auf 1.300m gelegenen Royal Hut war noch eine Spur kaelter als die Nacht zuvor und wir haben diesmal morgens eine kleine Eisschicht statt Tau am Zelt. Wir kriechen um 6 Uhr – noch vor Sonnenaufgang – aus dem Zelt und Julia kocht in der gemuetlichen Hut im Licht der Stirnlampe (die aufgrund der immer kuerzer werdenden Tage nun immer oefters auch schon in der Frueh zum Einsatz kommt) den Porridge, waehrend ich mir beim Zusammenklappen der Zeltstangen die Finger abfriere – schlechte Rollenverteilung fuer mich an diesem Morgen 😉 (Do, 16.02.).
An diesem Tag startet der Track gleich nach der Hut mit der Durchquerung eines kleinen Flusses, um den Weg hinauf auf den hoechsten Punkt des Te Araroa – den Stag Saddle (knapp 2.000m) – in Angriff zu nehmen. Fuer dieses eine Crossing ziehen wir uns die Schuhe aus, damit wir sie trocken behalten: Es ist ein schraeges Gefuehl, wenn einem der kalte Gebirgsfluss warm vorkommt, wenn man von der gefrorenen Erde ins Wasser steigt – ein „cooler“ Start in den Tag! Nach dem Wiederanziehen der Socken+Schuhe gehen wir flotten Schrittes bergauf und das Gefuehl in den Zehen kommt langsam wieder. Eine halbe Stunde spaeter steigt die Sonne ueber die Berghaenge im Osten und Haube, Fleece- und Daunenjacke werden gegen kurze Hose, Hut und Sonnenbrille getauscht – die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind echt nicht schlecht! Der 700Hm Anstieg auf den Stag Saddle ist ziemlich steil, aber mit jedem Schritt wird die Aussicht besser und wir freuen uns, als wir oben – am hoechsten Punkt des Te Araroa – ankommen!

Es geht dann noch kurz ein Stueck bergauf zum gegenueber liegenden Bergkamm, von dort ist die Aussicht noch besser und wir haben eine richtig feine Pause. Der Abstieg ueber den Kamm ist ein purer Genuss – das sanfte huegelige Tal auf der linken Seite, der Lake Tekapo auf der rechten Seiten, flankiert vom Massiv der Suedalpen aus deren Mitte Mt. Cook – der hoechste Berg Neuseelands mit 3.700m – ragt. Diese „ridgeline“ entlang zu wandern ist echt etwas Besonderes…

Der Weg fuehrt hinab ins Flusstal und ueber eine Bruecke kommen wir zur Camp-Stream-Hut. In der Sonne lassen wir das Zelt trocknen waehrend wir eine ausgiebige Pause im Schatten der Huette einlegen. Der Weiterweg entlang dem Fluss durch das Tal macht uns Freude und bald kommen wir zum letzten Anstieg, der extrem steil auf ein Plateau und zum Richmond-Track fuehrt. Ueber diesen 13Km langen Weg durch die huegelige Landschaft kommt man zum Carpark an der Lily-Bank-Road, die am Ufer des Lake Tekapo entlang fuehrt – dort werden wir am naechsten Tag um 10 Uhr unsere Fahrraeder entgegennehmen. Nach ca. 5Km erreichen wir einen Aussichtshuegel und beschliessen, unser Zelt aufzuschlagen und die restlichen 8Km morgen in der Frueh noch zu gehen. Der Zeltplatz ist ein Traum und wir erleben einen wunderschoenen Sonnenuntergang. Es ist so still hier, dass wir das Gefuehl haben, in einer riesigen 3D-Anssichtskarte zu sitzen 🙂 – was fuer ein Geburtstagsgeschenk, dieser wunderbare 16. Februar 2017!

Es ist immer fein, wenn wir in der Frueh auf leichten Wegen unterwegs sind und dem Tag beim Erwachen zusehen koennen (Fr, 17.02.). Am Ende des Richmond-Tracks steigen wir hinab zum Fluss und kommen zur Strasse, wo nach ein paar Minuten auch schon Wayne mit unseren Fahrraedern vorbeikommt. Der Weg von hier entlang dem Lake Tekapo und weiter entlang dem Kanal zum Lake Pukaki und nach Twizel ist eine flache, knapp 70Km lange Strecke (teils auf Schotter, teils auf Asphalt), die sich ideal zum Radeln anbietet und zu Fuss eine eher muehsame und unspannende Angelegenheit waere.
Der Blick auf das Blau des Lake Tekapo ist so schoen wie vor 6 Jahren und das Mittagessen mit Pizza und Burger im Ort Tekapo koennte nach den vielen Tagen mit Muesliriegel-Mittagessen besser nicht sein 🙂 Nach der langen Mittagspause die ihren kroenenden Abschluss in einer riesigen Portion von unglaublich gutem Kapiti-Eis gefunden hat, schwingen wir uns mit gefuehlten 10Kg mehr wieder auf die Raeder und fahren den tuerkis-blauen Kanal, in dem nach Lachsen gefischt wird, entlang zum schoenen Lake Pukaki, der seit diesen traumhaften Tagen, die wir dort vor 6 Jahren verbracht haben, fuer immer ein besonderer See fuer uns bleiben wird. Das Wiedersehen mit dem Lake Pukaki freut uns und es faellt ein wenig schwer, an der Kreuzung dieses Mal nach links Richtung Twizel und nicht nach rechts zu dem schoenen Campingplatz, den wir damals hatten, abzubiegen. Das Radeln am Alps2Ocean Cycle-Trail entlang des Sees ist ein Genuss, wir machen eine Pause an einem schoenen Kiesstrand und ich wage den Sprung ins kuehle Nass. Wir treffen uns mit Wayne, der uns noch die letzten Kilometer zur High Country Lodge bringt, in der wir ein Zimmer fuer 2 Naechte gebucht haben.

Am naechsten Tag (Sa, 18.02.) wird Waesche gewaschen und auch der Koerperpflege wird wieder etwas Aufmerksamkeit geschenkt ;-). Wir testen den Kaffee, die heisse Schokolade und den Carrot-Cake in 2 verschiedenen Kaffeehaeusern des Orts (alles top :-)) und im Supermarkt wird wieder viel Geld fuer Muesliriegel, Haferflocken, Sonnencreme, Peanutbutter, Trockenfruechte, etc. ausgegeben, damit wir fuer die naechste 7-Tages Etappe ausgestattet sind. Am Abend verabreden wir uns mit Jule, Hauke und Matthias (Jule’s Papa, der fuer 10 Tage mit ihnen gewandert ist) zum Abendessen und wir haben einen feinen Abend gemeinsam, bei dem wir uns ueber unsere Erlebnisse der letzten Tage und Wochen austauschen.

Am naechsten Tag (So, 19.02.) versuchen wir nach Mt. Cook Village zu stoppen, um eine Wanderung im Herzen der Southern Alps zu unternehmen. Nach einer halben Stunde am Strassenrand geben wir auf und der Gedanke,  doch heute noch mit Jule und Hauke den Te Araroa fortzusetzen ist sehr reizvoll und nur fuer einen Tagesausflug ist die geplante Tour fast zu muehsam per Autostopp. – Irgendwann kommen wir hoffentlich wieder, um Mt. Cook und seinem Nationalpark einen Besuch abzustatten!
Nach letzten Erledigungen und Kaffeehausbesuch sind wir mittags fertig zum Aufbruch. Da zaubern Jule und Hauke noch ein paar Flaschen Bier aus den Rucksaecken, um auf meinen Geburtstag anzustossen – sehr lieb von den beiden und ein ungewoehnlicher Start in die Wanderung :-)!


Es ist seeeehr heiss, als wir die Schotterstrasse zum Lake Ohau wandern und wir sind froh, als wir nach 15Km den schoenen See erreichen, in dem wir uns auch gleich mal abkuehlen. Die Zelte stellen wir unweit vom Seeufer auf und es ist ein schoener lauer Abend den wir, bis die Sterne vom Himmel leuchten, gemuetlich ausklingen lassen.

Dichter Nebel liegt ueber der Landschaft und der See scheint verschwunden als wir uns am naechsten Tag auf den Weg machen (Mo, 20.02.). Mit der Sonne verfluechtigt sich der Nebel und wir erfreuen uns an den schoenen Wolkenspielen in der Morgensonne, bis der Himmel wolkenlos ist.

Nach 13Km kommen wir zur Abzweigung, an der der Weg vom See wegfuehrt und den Berg hinauf ansteigt. Es ist heiss und so liegen wir noch 2 Stunden auf der schoenen Schotterbank unter den Weiden, lauschen dem Wasser und geniessen den Ausblick auf die schneebedeckten Berge – ein echtes Traumplatzerl ohne Sandflies :-)!

Schwer trennen wir uns von dem Platz am Lake Ohau, wandern in der Sonne noch 1-2Km bis wir den kuehleren Wald erreichen, in dem wir den Fluss entlang viele schweisstreibende Hoehenmeter zuruecklegen, bevor wir kurz vor der Baumgrenze noch eine laengere Rast einlegen.
Die Spaetnachmittags-Sonne begleitet uns am Weiterweg auf den 1.400 Meter hohen Sattel, wir geniessen nochmal den Blick zurueck auf den See, um dann auf der anderen Seite zum East Ahuriri-River abzusteigen, den wir noch 1-2Km entlangwandern, bevor wir zu unserem Zeltplatz fuer diese Nacht kommen. Das kurze Untertauchen im kleinen Fluss erfrischt und beim Abendessen wird uns – in diesem tiefen Tal, in dem es schnell dunkel wird – auch schon wieder etwas kuehl und wir ziehen uns relativ bald ins Zelt zurueck…

Am naechsten Tag (Di, 21.02.) fuehrt uns der Weg fuer 13Km durch das Tal, immer wieder mal den Fluss querend. Als das Tal weiter wird und wir kurz vor der Schluesselstelle – der Querung des Ahuriri-River – sind, machen wir unsere Mittagspause. Nach einem flachen Stueck entlang einer Pinienwald-Monokultur, die etwas bizarr in dieser trockenen Landschaft wirkt, kommen wir an den Ahuriri-River. Man koennte eine Flussquerung vermeiden, indem man 5Km weit zu einer Bruecke geht, um dann die 5Km auf der anderen Seite wieder zurueckzugehen. Wie gesagt, man koennte… 😉

Nach dem erfolgreichen River-Crossing und dem extrem steilen Hang aus dem Flussbett heraus kommen wir auf den naechsten Track, der uns durch den Hawea-Conservation-Park fuehren wird. An dieser Stelle verlassen wir das schoene Canterbury und betreten Otago. Wir machen noch die 10Km bis zu einer privaten Huette, neben der wir unsere Zelte aufstellen. Die Landschaft wirkt gruener und auf einmal gibt es auch wieder mehr Sandflies. Bei der Huette treffen wir wieder auf Francis mit ihrer gelben Ukulele – eine liebe Neuseelaenderin, die wir seit der Begegnung auf der Angelus-Hut immer wieder treffen. Vorm Einschlafen halten uns noch ein wenig die Maeuse auf Trab, auf deren Bau wir anscheinend unser Zelt aufgestellt haben, aber letztendlich ueberleben alle Essensvorraete sicher die Nacht.

Der Wecker laeutet wiedermal um 6 Uhr (Do, 22.02.), dafuer werden wir mit einem schoenen Sonnenaufgang – der die Wolken rosa faerbt – fuer das fruehe Aufstehen belohnt.
Die ersten 2 Stunden geht’s hinauf auf knapp 1.600m – es ist ein einfacher und schoener Weg zum Martha Saddle, an dem wir nur kurz Pause machen, nachdem bald leichter Regen einsetzt. Die Regenjacke ziehen wir aber nach dem ersten Kilometer beim Abstieg auf der anderen Seite schon wieder aus und bis wir zur Top-Timaru-Hut kommen, bleibt es trocken. Es ist erst kurz nach Mittag als wir hier ankommen. Nachdem die Huette sehr schoen ist, wir schon lange nicht mehr in einer Hut geschlafen haben und auch das Wetter nicht wirklich einladend aussieht, beschliessen wir einen kurzen Tag zu machen und hier zu bleiben. Der Rest des Tages, der dann noch richtig sonnig wird, wird mit Kartenspielen, Doesen, Lesen und Essen verbracht :-).

Nachdem der Weg von Twizel bis hierher stets auf leichten Wegen fuehrte, wird der Track am naechsten Tag wieder etwas anspruchsvoller (Fr, 23.02.). Wir gehen ein Flusstal im Wald entlang, auf schmalen Traversen, die immer wieder mal steil bergauf und bergab fuehren. Ein Duzend Mal queren wir den Fluss und freuen uns, dass es nun wiedermal etwas abenteuerlicher vorangeht. An einem schoenen, flachen Platz am Fluss machen wir eine ausgiebige Mittagspause, lassen die Schuhe in der Sonne trocknen, spielen Doppelkopf und goennen uns einen kleinen Mittagsschlaf. Die ausgiebige Rast konnten wir auch gut gebrauchen, denn der Weiterweg fuehrte 700Hm sehr steil den Wald hinauf. Wir sind sehr froh um die Baeume, denn die Sonne scheint mit aller Kraft vom Himmel und wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Der Ausblick auf die umliegenden Berge wird dafuer immer schoener und wir bekommen schon einen Vorgeschmack auf die Ausblicke des naechsten Tages.
Bei der Stodys-Hut schlagen wir im kleinen Waeldchen die Zelte auf – wenn das Wetter passt, ist es einfach feiner im Zelt als in den teilweise recht klein-dimensionierten, etwas in die Jahre gekommenen Huetten. Wir kommen ins Gespraech mit einem lieben neuseelaendischen Paerchen (Barbara und Wim), die schon in Pension sind und den Te Araroa auf Etappen machen. Beim Essen sehen wir einen kleinen Igel und wir fuehlen uns recht wohl, als wir den Abend beim Kartenspielen im Wald ausklingen lassen.

Auch am naechsten Tag (Fr, 24.02.) ist keine Wolke am Himmel. Nach einer guten halben Stunde bergauf kommen wir auf die Anhoehe, die wir vor dem letzten Anstieg auf den Breast-Hill einige Kilometer entlang wandern. Es ist so schoen, hier zu gehen…

…und am Gipfel zu rasten :-). Lake Hawea und etwas versteckt auch Lake Wanaka liegen vor uns, dahinter ragt Mt. Aspiring in den Himmel und weiter rechts in der Ferne der Gletscher des Mt. Cook – ein echtes Highlight des Te Araroa!

Wir lassen uns viel Zeit und geniessen den Breast-Hill. Dann geht’s bergab zur modernen Pakituhi-Hut bei der wir noch eine kurze Pause einlegen und unsere Wasserflaschen auffuellen, bevor wir den steilen Abstieg hinunter zum Lake Hawea einschlagen. Der Abstieg gefaellt uns richtig gut und wir bleiben immer wieder stehen, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen – das Blau des Lake Hawea, die gruenen Bergruecken unter uns, die schroffen, dunklen Felsen ueber uns und das strahlende Weiss der schneebedeckten Gipfel in der Ferne.

Am See angekommen sind wir komplett durchgeschwitzt und ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie wohltuend der Sprung in den Lake Hawea war – vom Berg in den See, es gibt nichts Besseres an diesem heissen Sommertag :-)! Beim Essen und Kartenspielen vergeht die Zeit. Wir schauen den Paragleitern zu, die am Seeufer landen und langsam verschwindet die Sonne hinter den Bergen als wir am Kiesstrand unser Abendessen loeffeln. Bei Daemmerung stellen wir die Zelte auf und schlafen wenig spaeter mit dem Rauschen der Wellen vom Seeufer ein.

Am naechsten Morgen (Sa, 25.02.) gibt’s ausnahmsweise mal keinen Porridge, sondern es wird nur ein Muesliriegel geteilt: Es sind naemlich nur mehr 7Km bis in den Ort Lake Hawea, in dem es ein Kaffeehaus gibt, auf das wir uns schon seit einigen Tagen freuen :-). Wir geniessen die ruhige Morgenstimmung beim Wandern entlang des Sees am sogenannten Gladstone-Track…

…und das Fruehstueck mit Toast, Ei, Kaffee, heisser Schokolade und Carrot-Cake mit einer anschliessenden Doppelkopf-Partie wird mindestens genauso genossen :-).
Nach dem Fruehstueck bekommen wir auch gleich eine Mitfahrgelegenheit nach Wanaka, in dem wir eine Unterkunft fuer die naechsten 3 Naechte gebucht haben. Waeschewaschen, Kochen mit frischen Zutaten, Schlafen im Bett, Blogschreiben, Organisation der naechsten Etappen, Einkaufen, etc. stehen am Programm…

Ja, und morgen (Di, 28.02.) wird wieder der Rucksack umgeschnallt: Wir verlassen den klassischen Te Araroa und werden uns auf eine Alternativ-Route begeben. Nachdem das Wetter weiterhin so schoen bleiben soll, wollen wir den Cascade-Saddle im Aspiring-Nationalpark in Angriff nehmen (4 Tage), um danach von Glenorchy auf dem Great Walk des Routeburn-Track weiterzugehen und anschliessend ueber den Caples-Track bei  der Greenstone-Hut wieder auf den Te Araroa zu stossen. Um den 10.-11.03. werden wir voraussichtlich nach Te Anau – der naechsten „Stadt“ kommen. Soweit mal der Plan, wie es kommt, werden wir sehen :-).

Alles Liebe fuer euch und viel Freude mit dem Fruehlingserwachen!
Die Wanderer 🙂

Vom Windy Point (Boyle Village) zum Lake Emily (Hazard Zone: Rangitata River)

Hallo ihr lieben „Winter’s-Leut“ :-)!

Wir sind gestern per Autostopp in das kleine Staedtchen Geraldine gekommen, um nach den vergangenen Tagen wiedermal zu duschen und die Essensvorraete aufzustocken 🙂 Und ausserdem muessen wir ohnehin die naechste sogenannte ‚hazard zone‘ – den Rangitata River – ‚umschiffen‘, da dieser Fluss dieses Jahr nur schwer bzw. mit Schwimmeinlagen passierbar ist. Gestern waren wir noch inmitten einer faszinierenden Tussok-Landschaft des Canterbury Highland und haben bei herrlichem Sonnenaufgang an einem einsamen Zeltplatz unseren Porridge gefruehstueckt und heute geniessen wir die Vorzuege der Zivilisation und unser Motel-Zimmer, in dem wir uns ein ausgiebiges Fruehstueck mit weichem Ei, Kaffee, Tee, Toastbrot, Avocado, Aufstrichen, Obstsalat mit Joghurt & Honig, etc. gemacht haben – es geht uns also gerade richtig gut und wir koennen es uns eigentlich nicht besser wuenschen :-)!

Nach seeeehr erholsamen 5 Tagen bei Paula und Erwin in Christchurch mit viel Schlaf (wir haben so gut geschlafen wie selten zu vor auf dieser Reise!) und leckerem, frischen Essen (Salate, Suppe, Kuchen, Brot, … alles frisch gemacht mit Obst und Gemuese aus dem Garten!) und schoenen Gespraechen, sind wir am Do, 02.02. mit dem Bus von Christchurch in gut 2,5h zum Windy Point (Boyle Village) gefahren, um wieder in den Trail einzusteigen, wo wir aufgehoert hatten. Mein Fuss ist in der Zwischenzeit auch besser geworden und mittlerweile gehe ich ohne Doping, sprich ohne Ibuprofen gegen diverse Wehwehchen ;-). Hier noch ein paar Eindruecke von Christchurch, dessen Stadtbild stark von dem Erdbeben vor 6 Jahren gezeichnet ist – wir haben die Innenstadt von damals noch ganz anders in Erinnerung…

Es war schon fast 17Uhr als wir am Do, 02.02. vom Windy Point die 10Km zur Hope Halfway Hut gestartet haben. Schoen war es, die Strassen, Autos und Infrastuktur wieder zu verlassen und in die Natur einzutauchen und wir haben den Weg zur Hut, die am Hope River liegt, genossen. Die Hut haben wir uns mit 2 Fischern geteilt, die vor allem wegen der grossen und wilden Forellen, die es im Hope River gibt, in das Tal kommen.

Bei Sonnenschein starten wir den schoenen Wandertag (Fr, 03.02.) durch das Hope Valley. Der Weg fuehrt entlang dem Fluss, wo es stellenweise noch etwas sumpfig ist vom vielen Regen der letzten Tage, durch Wald und ueber weitlaeufige Wiesenflaechen (oft auch mit neugierigen Kuehen 🙂 ), von denen aus wir die Blicke ueber das Tal geniessen.

 

Wir kommen zur Kiwi Lodge Hut und machen eine ausgiebige Mittagspause, bevor es durch viel Wald ueber den Kiwi-Sattle geht, von dem aus man auf den Lake Somner sehen kann, zu dem wir spaeter absteigen. Am See angekommen wollen wir eine Pause machen, aber nach wenigen Sekunden sind wir umschwirrt von hunderten Sandflies, so vielen wie selten zuvor und fluechten uns in den Wald, um dort den verdienten Muesliriegel zu essen :-)!

Durch weitlaeufigen Wald mit hohen Baeumen und maechtigen Staemmen, die herumliegen und verwittern, kommen wir hinaus auf eine freie Farmlandflaeche und zu einer Haengebruecke. Nach der angenehmen Flussueberquerung fuehrt uns ein letzter Anstieg im Wald, nach insgesamt 25Km und 850Hm an diesem Tag, zur Hurunui Hut No.5. Kurz darauf kommen noch 2 weitere TA-Hiker, Heartbreaker (das ist sein Trail-Name, den er am PCT bekommen hat, eigentlich heisst er Thorsten) aus Deutschland und Victoria aus Italien. Sonst ist niemand in der grossen Hut und man merkt, dass doch viele TA-Hiker diesen 3-5 Tages-Abschnitt ueber den Harpers-Pass ausgelassen haben – nicht ganz unbegruendet, wie wir am naechsten Tag feststellen werden…

Noch vor Sonnenaufgang laeutet der Wecker (Sa, 04.02.), ein langer Wandertag wartet auf uns. Nach gutem Fruehstueck starten wir bei Nieselregen in den Tag. Wir gehen entlang dem Fluss durch das Hurunui Valley, immer wieder durch den Wald. Alles ist sehr matschig, nass und rutschig und es ist gleich viel anstrengender zu gehen. Der Weg fuehrt uns vorbei an einem dampfenden Wasserfall, das Wasser ist ganz warm. Es gibt eine heisse Quelle hier und weiter oben am Flusslauf kann man sich in ein Hot-Pool setzen. Das Hot-Pool lassen wir aus und gehen im staerker werdenden Regen weiter zur Hurunui Hut No. 3. Der Wald auf diesem Weg ist teilweise sehr urig und mit viel Moos ueberzogen – ein echt schoener Anblick, sogar im Regen! In der Hut ist es schoen warm, ein schweizer Paerchen ist seit ein paar Tagen hier, um Hirsche zu jagen und die beiden haben es sich in der Huette sehr gemuetlich gemacht. Sie bieten uns einen warmen Tee mit Honig an, den wir dankbar annehmen und so fuehlen wir uns nach einer Stunde am warmen Ofen wieder gut gestaerkt, um wieder hinaus in den Nieselregen zu gehen.

Der Weiterweg ist matschig, wir kommen zu unserer ersten „3-wire-bridge“, die uns gut ueber den Fluss fuehrt. Vor dem schwierigen Abschnitt ueber den Harpers Pass kommen wir noch an der uralten Cameron Hut vorbei, in die ich aus Versehen Heartbreaker und Victoria einsperre und deren verzweifelte Rufe wir am Weiterweg zum Glueck noch hoeren, um sie wieder zu befreien ;-). Nach der Cameron Hut gehen wir sogar – man glaubt es kaum an diesem Tag – in der Sonne! Die Freude waehrt nur kurz, denn als wir zum Harpers Pass Bivvy kommen, regnet es in Stroemen und wir machen Pause in dem kleinen Shelter. Der Regen laesst wieder nach, also rauf auf den Harpers Pass, der zwar wenig Ausblick bietet, aber dafuer eine ganz eigene Vegetation, mit Baeumen und Pflanzen die wir nur hier gesehen haben, praesentiert…

      

Der Abstieg vom Sattel ist durch viele wash-outs, an denen der Weg nicht mehr vorhanden ist, muehsam und schwierig. Der Blick ueber das Tal laesst sich nur schwer geniessen, der extrem steile Weg ueber Geroell, Erde und durch Seitenfluesse nimmt alle Kraft und Aufmerksamkeit in Anspruch. Wir haben bereits viele Kilometer an diesem Tag in den Beinen und wir muessen uns sehr konzentrieren, um nicht weg- oder in den Fluss zu rutschen. Bei solchen Passagen macht sich das Gewicht des Rucksacks, das einen von hinten nach unten drueckt, am staerksten bemerkbar. Wasser ist allgegenwaertig und kommt von allen Seiten. Eine rostige alte Haengebruecke bringt uns ueber den Fluss, dessen Wasserstand sehr hoch ist und den wir am naechsten Tag ohne Bruecke durchqueren muessen. Aber der Wetterbericht fuer morgen ist gut und wir hoffen, dass der Wasserstand sich wieder beruhigen wird.

Nach ueber 8,5h reiner Gehzeit fuer diese 28Km-Strecke kommen wir erschoepft, aber voll Freude ueber die gut-gemeisterte Passage in der Locke Stream Hut an, die wir uns mit Heartbreaker und Victoria teilen. Wir sind wieder nur zu 4t in der Hut und jeder hat seinen eigenen Raum fuer sich :-). Es hoert auf zu regnen und wir sind zuversichtlich, dass die Flussdurchquerungen am naechsten Tag gut schaffbar sind…

Die Sonne scheint 🙂 (So, 05.02.)! Die Nacht war regenfrei und der Fluss hat sich sichtlich beruhigt und das Wasser ist klarer geworden. Nach einem ersten erfolgreichen gemeinsamen Crossing zieht Heartbreaker vorne weg, Victoria bleibt bei uns fuer weitere Crossings. Wir gehen weiter flussabwaerts das Taramakau Valley entlang ueber schoene Blumenwiesen und ueber weites Geroell-Flussbett, immer wieder durch Seitenfluesse und -arme. Teilweise, wenn der Weg abreisst, muessen wir uns durch den dichten Wald kaempfen, was viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt. Hier merkt man vor allem die Groesse des Rucksacks, wenn man in den Aesten und zwischen den dichten Straeuchern haengen bleibt ;-).

Wir erreichen eine der Schluesselstellen des Tages, die Querung des Otehake River, der in den Taramakau River, dessen Flusslauf wir durch das gleichnamige Tal folgen, muendet. Wir sehen Heartbreaker, der uns von der anderen Seite aus zuwinkt – er hat die perfekte Stelle fuer die Querung gefunden. Das Wasser ist von den Sedimenten trueb, unmoeglich den Boden zu sehen. An einer breiten Stelle, an der der Flusslauf ruhig ist, waten wir entlang einer Sandbank im Fluss durch das Wasser, das uns bis zur Huefte reicht. Juhuu, geschafft – wir sind drueben :-)! Wir machen eine ausgiebige Mittagspause in der Sonne und lassen unsere Sachen etwas trocken werden.

Nach der Flussquerung muessen wir uns noch einmal 200m durch den dichten Bush schlagen, bevor der Weg einfach und angenehm entlang dem Taramakau, durch das immer breiter werdende Tal fuehrt. Nach einer kurzen Pause passiert ein unnoetiger Zwischenfall: Julia geht kurz in die falsche Richtung, waehrend ich denke, sie ist voraus und ordentlich Gas gebe um aufzuschliessen. Nach knapp 2Km beschliesse ich schliesslich wieder umzudrehen – wenn wir uns verlieren treffen wir uns immer da, wo wir uns zuletzt gesehen haben. Ja, und da steht Julia noch immer im Wald, wie bestellt und nicht abgeholt – wir sind froh, dass wir wieder zusammengefunden haben! Wir kommen zur letzten grossen Herausforderung – der Querung des Otira River, an dessen anderer Seite der SH73, die Strasse nach Arthur’s Pass, auf uns wartet. Es gibt eine Alternativ-Route, den Flood-Track, zu einer Bruecke ueber den Fluss – dieser Track ist aber so gut wie nicht mehr vorhanden und wir haben gehoert, dass er sehr schwer zu gehen ist, also versuchen wir lieber das River-Crossing, vor dem wir doch grossen Respekt haben. Wir gehen das breite Flussbett entlang und kreuzen durch insgesamt 3 Flussarme den Otira – wir haben’s geschafft und es war leichter als erwartet! Wir sind sehr happy, als wir auf der anderen Seite Richtung Highway gehen – eine der herausfordernsten Abschnitte geschafft, jipppii :-)!!! (…Den ab hier anschliessenden Deception-Mingha-Track (2-3 Tage) des Te Araroa-Trails lassen wir – so wie fast jeder andere TA-Hiker in diesen Wochen – aus, da er durch diverse Washouts, hohe River-Levels bzw. allgemein herausfordernde Track-Bedingungen mehr Kampf als Genuss zu sein scheint ;-).)

Am SH73 angekommen dauert es nicht lange und ein netter Kiwi, der von einem Mountainbike-Rennen an der Westkueste kommt, nimmt uns die 30Km mit zum Bealey Motel, in dem ein „resupply-parcel“ mit neuem Essen fuer die naechsten Abschnitte auf uns wartet. Das Motel hat noch ein kleines Zimmer frei und wir buchen uns fuer ingesamt 3 Naechte ein…

Am Vormittag des naechsten Tages (Mo, 06.02.) ist es bedeckt, aber es regnet noch nicht. Julia hat Schmerzen im rechten Fuss und so mache ich mich alleine auf, fuer einen kurzen Ausflug auf alten Wegen, dem Bealey Spur Track, dessen Einstieg nur 2Km vom Bealey Motel entfernt liegt und den wir bereits vor 6 Jahren begangen sind. Ich wollte – wenn wir schon so nahe sind – unbedingt wieder auf dieses schoene Aussichtsplateau von dem aus man ueber das ganze Tal und die umliegenden Berge des Arthur’s Pass Nationalpark sieht…

Zurueck im Motel beginnt es sich so richtig einzuregnen und wir verbringen den Nachmittag mit Essen, Kartenspielen und sehr netten Gespraechen mit Sam Clark und seiner Mutter. Sam ist sogenannter Multi-Sportler und nimmt am Coast-to-Coast Rennen teil, das am Wochenende ausgetragen wird. Die Teilnehmer starten dabei mit dem Rennrad an der Westkueste, laufen ueber den Mingha-Track im Arthur’s Pass Nationalpark, legen eine Kajak-Section von 42Km zurueck und radeln dann nochmal bis an die Ostkueste. Sam ist hier, um zu trainieren und sich die Bedingungen des Mingha-Tracks anzusehen, seine Mutter ist dabei sein Support und chauffiert ihn. Sam kann mittlerweile vom Sportln leben, nimmt an allen moeglichen ausgefallenen Rennen teil und gewinnt auch immer wieder, so auch das Coast-to-Coast im Vorjahr. Sam ist so nett und hilft mir, meine gerissene  Regenhuelle fuer den Rucksack zu kleben und zu tapen – er ist fuer solche Faelle natuerlich bestens ausgeruestet. 🙂 Wir haben jetzt am Samstag viel an ihn gedacht: Es war der Wettkampftag und wir haben uns sehr gefreut als wir gestern gelesen haben, dass er wieder gewonnen hat! Er hat fuer das Rennen knapp ueber 11 Stunden gebraucht und hat erst auf den letzten Rad-Kilometern das Rennen fuer sich entschieden. 🙂

Den Dienstag (07.02.) haben wir vor allem viel entspannt, unsere Sachen sortiert und gepackt und uns in die bevorstehenden Etappen eingelesen. Am Abend hat uns Julia noch ein deutsches Ehepaar angelacht, das uns am naechsten Tag in der Frueh die 4Km auf der Strasse zum Ausgangspunkt der naechsten Wanderung gebracht hat.

Unter bedecktem Himmel (Mi, 08.02) haben wir um kurz vor 9 Uhr den Weg auf den Lagoon Sattle gestartet. Anfangs durch Wald, dann ueber eine weite Tussokgras-Landschaft sind wir immer hoeher und hoeher gestiegen, mit schoenem Ausblick auf das Tal und die wolkenverhangenen Berge. Ueber uns ziehen kreischend ein paar Kea – die Bergpapageien, die es nur hier auf der Suedinsel Neuseelands gibt – und lassen sich an den Felsen ueber uns nieder, leider zu weit entfernt fuer ein gutes Foto dieser neugierigen und intelligenten Voegel. Wir kommen zum Lagoon Shelter auf knapp 1.200m und machen die erste Pause. Anschliessend steigen wir einige Hoehenmeter wieder ab zum Fluss, den wir immer wieder kreuzen (laesst sich mittels „boulder-hopping“ trockenen Fusses meistern :-)) und entlangwandern (unter anderem passieren wir dabei das Hut-Relikt aus dem Jahr 1957, die West Harper Hut). Wir geniessen das Wandern auf festem Boden und guten Wegen – ich schaffe es dennoch, mich halb in den Bach zu legen und tue mir schwer beim Wiederaufkommen mit dem schweren Rucksack ;-)…

Wir kommen nach 20Km und 1.000Hm zur schoenen Hamilton Hut, von der aus man einen schoenen Blick auf das Tal hat. In der Hut lernen wir Keitha und Warwick kennen, ein neuseelaendisches Paerchen, die bereits ueber 60 sind und auch den Te Araroa machen – die beiden sind echt sympathisch und wir haben einen netten Abend am warmen Ofen. Wir freuen uns ueber die motivierenden Worte von Jule und Hauke, die sie uns bei ihrem Eintrag im Hutbook hinterlassen haben! 🙂

 

Am naechsten Morgen (Do, 09.02.) strahlt die Sonne und es ist ein Genuss entlang dem Fluss durch das Tal zu wandern. Wolkenfetzen ziehen ueber die Bergflanken und die Luft ist so schoen frisch. Anfangs versuchen wir noch unsere Schuhe trocken zu halten, nach einer Stunde geben wir aber auf und waten durch den flachen Fluss, den wir auf unserem Weg immer wieder kreuzen. Der Wald lichtet sich immer mehr und die Landschaft wird trockener. Weiche, aber imposante Berge, die an diesem Tag Kronen aus weissen Wolken tragen, flankieren das Tal und wir haben viel Freude am Wandern und Schauen. Eine besondere Felsformation, an der wir vorbeikommen, sind die sogenannten Pinnacles mit ihren spitzen Felszacken…

Nach ein paar letzten einfachen Flussdurchquerungen machen wir eine ausgiebige Pause, in der wir wieder unsere Sachen von der Sonne trocknen lassen, bevor wir uns auf dem Weg hinaus aus dem schoenen Harper-Valley mit seiner farbenfrohen und ganz eigenen Vegetation machen – immer wieder fasziniert von den kargen, stillen Bergkegeln und der weiten Landschaft.

   

Wir kommen zu unserem Schlafplatz fuer diese Nacht, dem freien Campingplatz in Harper Village nahe dem Lake Coleridge und freuen uns wiedermal unser kleines zuhause aufzubauen und im Freien zu campen. Mit der Sonne und dem Wind trocknen auch alle Sachen wieder – was fuer ein schoener Tag das war!

Am naechsten Tag (Fr, 10.02.) kommt Wayne von Alps2Ocean wie ausgemacht um 9 Uhr zum Campingplatz – mit ihm haben wir vereinbart, dass wir den Weg ans andere Ufer des Rakaia River in seinen aufblasbaren Kajaks zuruecklegen. Der Rakaia ist – speziell in diesem Jahr – unmoeglich zu crossen und so muss man entweder ueber lange Umwege die Strecke umgehen oder sich um einen Transport um diese so genannte „Hazard Zone“ kuemmern. Jule & Hauke haben die Kajak-Variante gewaehlt und waren sehr begeistert von der Landschaft entlang dieses Flusses. Wayne bringt uns zum Ausgangspunkt und wir ziehen uns Neopren-Hose und -Schuhe an und als wir bereit sind loszulegen, wird der Wind immer staerker und Wayne hat Bedenken, uns starten zu lassen. Das Problem ist naemlich, dass die letzten Kilometer viel gepaddelt werden muss, um weiter zu kommen und wenn starker Wind blaest, dann kommt man mit den Kajaks nicht mehr voran. Also wieder raus aus den Sachen… Wayne hat eine Alternative fuer uns, er hat 2 Mountainbikes und so setzen wir uns nach langer Zeit wiedermal auf einen Drahtesel :-). Wir radeln knapp 30Km bis zur Bruecke des Rakaia-George, dessen Wasser eine schoene tuerkise Farbe hat.

Von dort bringt uns Wayne dann noch die 45Min zum Ausgangspunkt des weiteren Tracks, den wir um 15Uhr starten um noch die 10Km zur A-Frame Hut auf 1.000m aufzusteigen. Wow, was fuer eine faszinierende Landschaft! Es ist so trocken hier, so komplett anders als die Landschaft, in der wir noch vor einigen Tagen waren…

    

Die A-Frame-Hut hat nur 3 Betten und war mit 5 sehr netten Northboundern aus Kanada, England und der Schweiz bereits voll. Und so verbringen wir auch diese Nacht im gemuetlichen Zelt :-).

Es ist ein ziemlich kalter Morgen am naechsten Tag (Sa, 11.02.), nach einer klaren und wolkenlosen Nacht. Bei Sonnenaufgang machen wir uns einen Porridge und noch vor 8Uhr sind wir bereits am Weg Richtung Comnys-Hut. Die Sonne steigt hoeher und bald treten wir aus dem Schatten und wandern unter wolkenlosem Himmel – so schoen hier zu wandern! In der alten Hut machen wir eine kurze Pause bevor eine sehr coole (im wahrsten Sinne) section auf uns wartet – entlang,  durch und im glasklaren Fluss fuehrt der Weg durch den Mini-Canyon mit schroffen Felsen und schoenen Schotterbaenken. Das Wetter ist so perfekt – das Waten durch den Fluss kuehlt gut und dank der vielen Sonne frieren wir auch nicht. Nach den 2 Stunden durch diesen Abschnitt machen wir eine ausgiebige Pause, trocknen unsere Sachen und machen uns auf den Weiterweg, hinauf zum naechsten Sattel. Ist es nicht eine faszinierende Landschaft…

Nach einigen Querungen ueber Geroell und Tussok fuehrt uns der Weg stetig bergab und schliesslich kommen wir in die weite Ebene, wo wir schon bald den perfekten Zeltplatz fuer die Nacht finden – windgeschuetzt hinter einer Erhebung und nahe am Fluss mit frischem Wasser – einsam und schoen ist es hier…

 

Gestern (So, 12.02.) war einer dieser Sonnenaufgaenge, die man in Erinnerung behaelt: In 3 Akten faerbten sich die Wolken zart-rosa, strahlend-rosa und leuchtend gelb waehrend wir den Porridge loeffeln inmitten dieser kargen Landschaft.

Wir wandern die 12Km heraus, ueber einen letzten Sattel zum Lake Emily, starker Wind blaest uns entgegen.

   

Wir sind „very lucky“ als ein Gelaendewagen stehen bleibt und wir von 2 Jaegern, die ein Reh im Kofferraum haben, mitgenommen werden nach Mt. Somers Village, um von dort nach Geraldine zu stoppen. Dort angekommen nimmt uns nach 10 Minuten ein nettes junges Paerchen aus Malaysien mit nach Geraldine, wir bekommen ein schoenes Motelzimmer und „here we are“ :-)!

Morgen geht’s weiter auf den „Two Thumbs Track“ – in 3 Tagen zum Lake Tekapo, auf den wir uns schon freuen! Von dort aus radeln wir dann wieder rund 70km die schoenen Gletscherwasserseen (Tekapo und Pukaki) entlang, weil es sehr flach und lange ist bis nach Twizel, wo unsere Bounce-Box und wieder ein Rasttag auf uns wartet. Soweit der Plan, mal schauen was kommt :-)…

Alles alles Liebe von euren TA-Geniessern!!!

…auch das Fruehstueck heute haben wir sehr genossen 😉